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HANSA 12-2021

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LETZTE SEITE Das »Schließen der Fettlücke« auf See in Wesermünde die »Erste Deutsche Walfang Gesellschaft«. In der Folge wurde der Frachter »Württemberg« bei Blohm+Voss in Hamburg zum Walfangmutterschiff »Jan Wellem« umgebaut. Hinzu kamen acht kleinere Fangboote »Treff I« bis »Treff VIII«. Am 26. September 1936 stach die »Jan Wellem« zu ihrer ersten Fangsaison von Hamburg aus in See. Acht Monate war sie unterwegs, ihr Fangergebnis zeigt das Ausmaß des industriellen Walfangs: Insgesamt töteten die Mannschaften fast 1.074 Wale. Es folgte der niedersächsische Margarinefabrikant Walter Rau. Mit der Unterstützung der Regierung ließ die Firma Walter Rau Neusser Ölwerke das Walfangmutterschiff »Walter Rau« bei der Deutschen Werft in Hamburg und die dazugehörige Fangboote »Rau I« bis »Rau VIII« bei der Seebeckwerft in Bremerhaven bauen. Es lief in der Saison 1937/1938 zu seiner ersten Fangreise aus. Es ist wenig bekannt, dass Deutschland einmal zu den größten Walfangnationen der Welt zählte. Tatsächlich töteten in den 1930er Jahren lediglich Norwegen und Großbritannien jährlich mehr Wale als das Deutsche Reich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Nachfrage nach Walöl größer denn je. Es landete vor allem in Form von Margarine auf deutschen Frühstückstischen. Der Bedarf war enorm: 1935 importierte das Reich über 50 % des weltweit gewonnenen Walöls. Mit der Zeit forderte die Industrie daher einen eigenen deutschen Walfang. Und der Ruf wurde von den Nationalsozialisten gehört, man wollte die Abhängigkeit von Importen wichtiger Rohstoffe und Handelsgüter verringern. Das sogenannte »Schließen der Fettlücke« wurde Programm. Berlin wollte zudem den Einsatz seiner Devisenreserven senken. Zwar versuchte Norwegen, ausländische Konkurrenz niederzuhalten, doch der Druck wurde immer stärker. Die Skandinavier konnten am Ende den Einstieg Deutschlands in den Walfang nicht verhindern. In der letzten Fangsaison vor dem Zweiten Weltkrieg operierten insgesamt sieben Fabrikschiffe mit 56 Fangbooten in antarktischen Gewässern allein für den deutschen Bedarf. Eine ganze Reihe von Unternehmen stieg ab Mitte der 1930er Jahre in den Walfang ein. Den Anfang machte der Düsseldorfer Seifengigant Henkel & Cie Die Firma gründete am 5. März 1935 © IMMH Dosenfleisch von Bord An Bord der »Walter Rau« gab es eine Besonderheit: Nicht nur das Fett der Wale wurden verwertet, sondern auch ihr Fleisch. Es wurde gleich am Ort in Dosen abgefüllt und mit dem Etikett »Walfleisch Polaris« für die Vermarktung versehen. Im gleichen Jahr stiegen die Firma Jürgens van den Bergh- Margarine-Verkaufs-Union (Unilever-Gruppe) und die extra zu diesem Zweck neu gegründete Unitas-Deutsche Walfanggesellschaft in das lukrative Geschäft ein. Gemeinsam gaben sie 1936 den Auftrag zum Bau des Walfangmutterschiffes »Unitas« an die Schiffs- und Maschinenbau AG Weser. Mit den Fangbooten »Unitas I« bis »Unitas X« nahm die Gesellschaft von 1937 bis 1939 am antarktischen Walfang teil. Die »Unitas« war mit 184 m Länge, einer Tonnage von 21.845 BRT und einer 294 Mann starken Besatzung das größte Walfangschiff ihrer Zeit. Und noch ein Akteur etablierte sich: Die deutsche Margarineindustrie gründete die Margarine Rohstoff Beschaffungsgesellschaft und ging mit den beiden norwegischen Walfanggesellschaften Blaahval und Finhval eine Partnerschaft ein. Die Deutschen besaßen 40 % der Aktien an diesen Unternehmen. Gemeinsam mit ihnen betrieben sie die aus Norwegen gecharterten Kochereien »C.A. Larsen« und »Skytteren« ausschließlich für den deutschen Markt. 18.000 Wale als Beute 1937 kaufte die deutsche Ölmühlen Rohstoff GmbH in Berlin noch das norwegische Fabrikschiff »Sydis« und taufte es auf »Südmeer«. Ein Jahr später erwarb das Ölmühlen Walfang Konsortium in Norwegen das in England gebaute Fabrikschiff »Vikingen« und gab ihm den Namen »Wikinger«. Der Einsatz dieser vier Kochereien wurde von der 1936 gegründeten »Hamburger Walfang- Kontor GmbH« koordiniert. Insgesamt erbeuteten die sieben deutschen Fangflotten zwischen 1936 und 1939 bis zu 18.000 Wale. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges endeten die deutschen Ambitionen. Die Fangflotten wurden umgebaut und für den Einsatz als Hilfsschiffe der Kriegsmarine ertüchtigt. »Jan Wellem« – hier ein Modell von Harry Römmer – wurde 1921 auf der Vulkan-Werft als »Württemberg« für die Hapag gebaut. 1935 kaufte der Henkel-Konzern das Schiff und ließ es bei Blohm+Voss umbauen. Autor: Gerit Menzel Internationales Maritimes Museum Hamburg (IMMH) 90 HANSA – International Maritime Journal 12 | 2021

Rettungscrew gesucht! Mission: Marine-Ehrenmal erhalten Jetzt spenden! Danke für Ihre Unterstützung! Spendenkonto des Marine-Ehrenmals Kieler Volksbank • Konto-Nr. 56 77 66 40 IBAN DE68 2109 0007 0056 7766 40 Dr. Florian Huber, Archäologe und Forschungstaucher Christin Erbacher, Hauptbootsmann Dr. Jann M. Witt, Historiker des Deutschen Marinebundes e.V.

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