Aufrufe
vor 7 Monaten

HANSA 12-2021

  • Text
  • Hansaplus
  • Reederei
  • Schifffahrt
  • Container
  • Shipping
  • Schiffe
  • Hamburg
  • Hansa
  • Maritime
Deutsche Reeder & Flotten · Forschungsschifffahrt · Maritimes China · Marintec · UVHH · Europort · Damen Naval · COP26 & Klimapolitik · HANSA-Jahresrückblick · Briese · Harren & Partner

SCHIFFFAHRT | SHIPPING

SCHIFFFAHRT | SHIPPING © Harren & Partner Schiffe wie die »Blue Giant« aus der Flotte von Harren & Partner sollen künftig für die Erkundung mariner Rohstoffvorkommen eingesetzt werden Schatzsuche in der Tiefsee Mit Seabed Mineral Services will das neue Joint Venture von Harren & Partner mit dem Tiefbauspezialisten Bauer im Markt des marinen Bergbaus Fuß fassen. Ein erstes Projekt für die Erkundung eines Rohstoffvorkommens startet schon bald. Von Krischan Förster Bereits im kommenden Jahr wollen die beiden neuen Partner der Seabed Mineral Services ihr erstes Projekt starten. Dann soll ein Schiff von Harren & Partner mit Bohrtechnik von Bauer an Bord zu einer ersten Erkundungsfahrt auf der Suche nach wertvollen Mineralien ablegen. »Wir haben einen ersten Kunden gewinnen können«, bestätigt Heiko Felderhoff, als Vertreter der Bremer Reederei- Gruppe einer der beiden Geschäftsführer des erst im Herbst gegründeten neuen Joint Ventures. Durch Engpässe in der Versorgung mit Rohstoffen, etwa bei der Chip-Herstellung und nachfolgend auch in der Automobil-Industrie, ist der Abbau von mineralischen Rohstoffen am Tiefseeboden zuletzt verstärkt in den Fokus gerückt. Der künftige Bedarf dürfte durch die klimapolitisch gewollte Energiewende noch deutlich wachsen. Die beiden neuen Partner der Seabed Mineral Services sehen daher gute Chancen, einen neuen Markt zu erschließen. Verteilung der Rohstoff-Vorkommen (© Geomar) Am Meeresgrund, in der Regel in einer Tiefe von 2.000 m bis 6.000 m, lagern wichtige Rohstoffe, die an Land knapp oder deren Förderung zu aufwendig wird – Manganknollen, kobaltreiche Eisen- und Mangankrusten sowie Massivsulfide und Erzschlämme. Bislang galt der Tiefseebergbau als zu teuer und wegen fehlender Standards und unbekannter Risiken für die Meeresumwelt als umstritten. Doch der steigende Bedarf an wertvollen Materialien weckt neues Interesse an den Schätzen aus den Ozeanen. Deren Vorkommen müssen jedoch erst erkundet werden. Das Joint Venture Seabed Mineral Services will sich dafür als Dienstleister auf einem Markt etablieren, der in den kommenden Jahren noch deutlich wachsen dürfte. Kombiniert werden die Schiffe der Bremer Harren & Partner-Gruppe mit der Tiefbaumaschinentech nik von Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen. »Beide Unternehmen haben bereits Expertise im Offshore- Sektor und bündeln jetzt ihr Know-how, sagt Leonhard Weixler, Leiter des Geschäftsbereichs Schlitzwandtechnik bei Bauer. Explizit geht es um die Erkundung der Rohstoffvorkommen, nicht um deren Förderung. »Den Abbau überlassen wir anderen, das würde unsere Kräfte deutlich übersteigen.« Das Unternehmen will sich vielmehr auf die Suche nach marinen Massivsulfiden beschränken. Dafür haben beide Partner eine schonende Technologie zur Entnahme in bis zu 3.000 m Wassertiefe, den sogenannten »Vertical Approach«, entwickelt. »Auch bei uns steht der Umweltschutz ganz oben auf der Agenda«, 44 HANSA – International Maritime Journal 12 | 2021

SCHIFFFAHRT | SHIPPING sagt Felderhoff. In Übereinstimmung mit den Normen der Internationalen Meeres - bodenbe hörde ISA (International Seabed Authority) werde so »maximaler« Aufwand betrieben, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Um das Austreten von Feinmaterial aus dem bis zu 8 m tiefen Fräsbereich zu verhindern, wird zu Beginn ein Schutzkragen rund um die Fräsräder platziert, während das Wasser, vermischt mit feinen Sedimenten und Frässpänen, in den Erzcontainer gepumpt wird. Nach dem Separationsprozess wird das gefilterte Wasser wieder im Fräskreislauf verwendet. Dieses geschlossene System minimiert das Volumen des Meerwassers, das durch den Fräsprozess beeinträchtigt wird, das befürchtete Aufwirbeln der Sedimente findet ebenfalls nicht statt. Letztlich wird lediglich der Rohstoff vom Meeresgrund entnommen. Die Arbeiten am Meeresgrund haben ihren Preis: Pro »Stich« mit einer Fördermenge von 100 t liegen die Kosten bei etwa 1 Mio. $. »Durch Kombination bewährter Technologien können wir das technologische Risiko minimieren und gleichzeitig die Kosten im Rahmen halten«, sagt Felderhoff. Die Schiffe stellt Harren & Partner aus der eigenen Flotte. In Frage kämen etwa die »Blue Giant« oder auch die »Lone« der Reederei-Tochter SAL Heavy Lift. Diese Einheiten verfügen über das benötigte DP-System zum Positionieren sowie über leistungsstarke Bordkräne. Die reine Bergbautechnik stellt Bauer, es handelt sich dabei nach Angaben von Weixler um bewährte Systeme, die für den neuen Einsatzzweck marinisiert worden seien. Der Tiefbauspezialist entsendet zudem ein Aufbau der Tiefsee-Apparatur © Seabed Mineral Services Expertenteam an Bord, um die Bohrungen auf See zu koordinieren und zu überwachen. Lizenznehmer ist dabei immer der Kunde – er muss über die ISA die Genehmigungen sowohl für die Erkundung als auch später für die Förderung beantragen. Seabed Minerals Services übernimmt im Unterauftrag als Dienstleister das »Sampling«, also die Bohrungen und das Einsammeln der Bodenproben. Auch Studien zur späteren Nutzung entdeckter Rohstoff-Vorkommen sollen bei Bedarf geliefert werden. Felderhoff hält das Geschäft, das jetzt mit einem ersten Auftrag startet, für ausbaufähig und nach oben skalierbar. »Das Thema nimmt jetzt erst richtig Fahrt So erfolgt die Probenentnahme am Meeresgrund auf«, sagt er. Auftraggeber könnten sowohl Staaten, Forschungseinrichtungen oder auch private Bergbau-Unternehmen sein. Auch Deutschland hat sich ein Lizenzgebiet im zentralen Nordostpazifik, 75.000 m2 verteilt auf zwei Areale zwischen Hawaii und Mexiko, gesichert. Dort soll vor allem nach Manganknollen gesucht werden. Großes Interesse sieht Felderhoff zudem in Ländern, die bislang stark in der Förderung und im Export fossiler Rohstoffe (Öl, Gas) sind und die für ihre Industrie neue Perspektiven brauchen – wie die OPEC-Staaten oder auch Norwegen. Ende 2022 soll das erste Projekt wichtige Erfahrungen und dann auch eine erste Referenz für künftige Kunden liefern. HANSA – International Maritime Journal 12 | 2021 45

HANSA Magazine

HANSA Magazine

Hansa News Headlines