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HANSA 10-2021

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HÄFEN | PORTS

HÄFEN | PORTS Wasserstoff – wo, wenn nicht im Hafen? Die Umstellung des Energiesystems Hafen auf erneuerbare Energien ist eine komplexe Herausforderung angesichts der vielen Akteure – und deswegen auch eine große Chance. Das Netzwerk e4ports hat sich zum Ziel gesetzt, die Branche dabei zu unterstützen Hafen- und Terminalbetreiber, Logistikunternehmen, Reedereien, Energieerzeuger und -versorger, Netzbetreiber und Behörden sollen beim Netzwerk e4ports zusammenkommen und Fragen beantworten wie: Welche Technologieoptionen es für klimaneutralen Warenumschlag? Wie kann deren Weitertransport emissionsfrei erfolgen? Welche Möglichkeiten zur lokalen Produktion von Strom, Wasserstoff beziehungsweise Wasserstoffderivaten gibt es? Wie können sich Häfen auf den Import alternativer Kraftstoffe vorbereiten? Zum Auftakt im September erklärte Kurt-Christoph von Knobelsdorff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW), die die Netzwerkarbeit koordiniert: »Häfen sind Nervenzentren einer Volkswirtschaft. Ohne sie geht es nicht – auch nicht bei der Erreichung der Klimaziele. Als Knotenpunkte für Güter- und Wirtschaftsverkehr weisen Häfen komplexe Energieströme auf.« Hier könnten Häfen Skaleneffekte nutzen, weil sowohl Importmöglichkeiten und die Nähe zur Offshore-Energieerzeugung als auch Großverbraucher wie die Eisenbahn und Industrieunternehmen auf engem Raum angesiedelt seien, meinte Ingo Fehrs von der Hamburg Port Authority (HPA). Hinzu komme die Eignung als Testfeld im Hinblick auf die Diversität der Fahrzeuge: Straßenfahrzeuge, Umschlaggeräte, Schiffe, Eisenbahn. »Es gibt einen großen Konsens beim Thema Wasserstoff. Alle sind auf der Suche nach Geschäftsmodellen, das ist überhaupt die große Frage«, sagt Fehrs. »Das sind zwar alles Nischen, aber wir reden am Ende eben von einer Addition ganz vieler Nischen« Die HPA selbst hat Projekte wie HyPA (Hydrogen Port Application) aufgelegt, wobei es um Wasserstoffanwendungen für Fähren, Lotsenversetzboote oder Rangierlokomotiven geht. »Das sind zwar alles Nischen, aber wir reden am Ende eben von einer Addition ganz vieler Nischen«, so Fehrs. Matthias Wuczkowski von Niedersachsen Ports forderte einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, »um den Rohstoff der Energiewende« zu produzieren. Dabei nehme die Bedeutung der Häfen zu, weil hier neue Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette entstehen könnten. Damit würden sie zu attraktiven Wirtschaftsstandorten. »Früher ist alles der Kohle gefolgt, in Zukunft wird alles den erneuerbaren Energien folgen«, sagte Wuczkowski. Diese Chancen sieht Uwe von Bargen, Direktor für Umwelt- und Nachhaltigkeitsangelegenheiten bei Bremenports, ebenfalls, die Herausforderung bei Themen wie Power-to-X sei allerdings, dass man für die neuen Dienstleistungen auch neue Betreiber finden müsse. Dabei sieht er keine Lösung, die für alle Häfen passen könnte, dafür seien die Standorte trotz vielen Gemeinsamkeiten in unterschiedlichster Form organisiert und es gebe jeweils eine Vielzahl spezialisierter Akteure. Bei Bremenports ist man schon in Gesprächen mit verschiedenen Playern für den Import von Wasserstoffderivaten, sowohl für Ammoniak als auch für Flüssigwasserstoff. Zum Start mobile Lösungen Die gesamte Wertschöpfungskette um den Wasserstoff müsse aber nicht an einem Ort oder in einem Seehafen angesiedelt sein, erklärte Johanna Leisling vom Gasspezialisten Linde. »Wasserstoffproduktion und die Anwendungen können auch entkoppelt voneinander stattfinden, beispielsweise in einem Binnenhafen ohne eigene Energieerzeugung vor Ort könnte eine Elektrolyseur stehen.« Leisling bescheinigt dem Logistiksektor mit Blick auf entsprechende Lkw, Loks und Tankstellen einen gewissen Reifegrad in Sachen Wasserstoff. »Häfen sind dabei als Verkehrsknotenpunkte mit vielen Anwendern spannend.« Zum Start einer wasserstoffgestützten Logistik und Industrie hält die Linde-Vertreterin gasförmigen Wasserstoff für die einfachste Lösung. »Am Anfang werden kleine, mobile Lösungen stehen, die Flotte kommt ja nicht schlagartig«, sagte sie. HHLA hat »letzte Meile« im Blick Der Hamburger Terminalbetreiber HHLA setzt auf Wasserstoff, um einen 24/7-Betrieb garantieren zu können. In Sachen Elektrifizierung sei man schon weit gekommen, berichtet Georg Böttner, Geschäftsführer des Container Terminals Burchardkai (CTB). In manchen Bereichen sei das aber wegen des hohen Energiebedarfs oder Lastspitzen nicht praktikabel. »Wir können uns keine Downtime wegen 76 HANSA – International Maritime Journal 10 | 2021

HÄFEN | PORTS Ladezeiten leisten, deswegen brauchen wir für energieintensive Anwendungen einen stofflichen Energieträger«, so Böttner. Im Auge hat er dabei Van Carrier, Straddle Carrier Reachstacker oder Fahrzeuge für die »letzte Meile«. Das wolle man nun erproben, Voraussetzung sei eine Förderung, hier sei man auf gutem Weg. Neben dem Beweis von Funktionsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit gehe es nun außerdem darum, frühzeitig Bediener und Servicepersonal zu schulen, damit man die neuen Geräte am Ende auch betreiben könne, sagt Böttner. Praxistest bald in Berlin Abstract: Hydrogen – were if not at the port? The energy transition from fossil to renewable energies in ports is a complex challenge, given all the different stakeholders and possible applications. At the same time, this makes it also a great opportunity. The e4ports network is intended to bring together all stakeholders to speed up the uptake of hydrogen on a national level. Wie eine Wasserstoffanwendung in der Praxis funktionieren kann, testet bald der Berliner Binnenhafenbetreiber Behala. Zusammen mit den Projektpartnern TU Berlin, Schiffswerft Hermann Barthel, Ballard Powersystems, Anleg, Schiffselektronik Rostock, EST-Floattech und HGK- Shipping wurde mit der »Elektra« das erste emissionsfreie Schubboot entwickelt, das derzeit beim Schiffbauer Barthel in Derben fertiggestellt wird. »Wir hoffen, das Schiff bis Ende Oktober in Berlin zu haben«, sagt Klaus Günter-Lichtfuß, Logistikchef der Behala. Das besondere sei nicht nur der alternative Antrieb, sondern dass man ein »alternatives Energiesystem« entwickelt habe. »Da wir nur eine begrenzte Menge an Energie an Bord mitführen können, mussten wir uns frühzeitig intensiv um die Landversorgung kümmern. Es ging darum, 2,5 MWh innerhalb von sechs Stunden zu laden«, berichtet Lichtfuß. Neben den Batterien liefert auch eine Brennstoffzelle Energie, dafür müssen 750 kg Wasserstoff an Bord. Das wird mit mobilen Tanks bewerkstelligt, die bei den Stopps des Schiffs auf der Strecke zwischen Berlin und Hamburg ausgetauscht werden. Erik Schumacher von der NOW kündigte als nächsten Schritt er einen Workshop mit den deutschen Seehäfen an, bei dem es um Themen wie rechtliche Rahmenbedingungen, Schnittstellen mit der Energiewirtschaft, öffentliche Akzeptanz und Fördermöglichkeiten gehen soll. Bieten soll das Netzwerk den Beteiligten neben Austauschmöglichkeiten und Wissenstransfer Updates zu Fördermöglichkeiten, Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsame Aktivitäten in Forschung und Entwicklung nach Art eines Clusters. fs Menschen. Umwelt. Wirtschaftskraft. Wie wir bei NPorts Beruf und Familie unter einen Hut bekommen, erfahren Sie unter www.hafenplus.de Folgen Sie uns auf HANSA – International Maritime Journal 10 | 2021 77

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