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HANSA 07-2021

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SCHIFFSTECHNIK | SHIP

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY Schiffsabwasser wird neu geregelt Untersuchungen zeigen, dass die Mehrzahl der Schiffe nahezu unbehandeltes Rohabwasser aus den Bord-Kläranlagen einleitet. Vor diesem Hintergrund wird derzeit die MARPOL- Anlage IV überarbeitet. Die HANSA sprach mit Markus Joswig von PIA darüber Markus Joswig, Head of Marine Services, PIA – Prüfinstitut für Abwassertechnik Die MARPOL-Anlage IV der IMO, die das Einleiten von Schiffsabwässern ins Meer regelt, wird derzeit überarbeitet. Wer hat deren Überarbeitungen angestoßen? Und warum? Markus Joswig: Die aktuellen Regularien der IMO sehen keine Kontrollmechanismen zur Überwachung der Ablaufqualität von Anlagen zur Abwasserbehandlung an Bord von Seeschiffen vor. Es wird davon ausgegangen, dass eine einmal an einem Prototyp durchgeführte exemplarische Baumusterprüfung an Land ausreicht, um die Funktionsfähigkeit in der Praxis an Bord von Schiffen sicherzustellen. Die Performance wird aber maßgeblich von den Umgebungsbedingungen an Bord und vom Bediener beeinflusst. Eine erste Studie der Niederlande aus dem Jahr 2012 über die Beprobung von 32 Schiffen zeigte, dass die große Mehrheit die Grenzwerte nicht einhielt. Bis Anfang 2017 wurde diese Messkampagne von den Niederlanden fortgesetzt und die bisherigen Ergebnisse bestätigt. Lediglich drei Prozent der Schiffe hatte alle Grenzwerte eingehalten. Die Ablaufqualität der anderen Schiffe wurde mit folgenden Worten beschrieben: »Die Messergebnisse zeigten, dass die Mehrzahl der Schiffe nahezu unbehandeltes Rohabwasser aus den bauartzugelassenen Kläranlagen einleitet.« Vor diesem Hintergrund hat Norwegen im Jahr 2017 die Überarbeitung der MEPC.227(64) zur Prüfung von Anlagen zur Abwasserbehandlung an Bord von Seeschiffen beantragt. Die Überarbeitung findet momentan bei PPR statt und wurde zudem um die Überarbeitung der MARPOL-Anlage IV erweitert. Die Notwendigkeit der Überarbeitung wurde jüngst durch eine Untersuchung des Iran untermauert. Die Auswertung von 50 Tests ergab, dass das gereinigte Abwasser bei der Mehrzahl der Schiffe nicht den Mindestanforderungen entsprach. © PIA Welche Punkte genau sollen überarbeiteten werden? Joswig: Durch die Überarbeitung sollen längst notwendige Instrumente zur Kontrolle und Überwachung eingeführt werden. Es ist eigentlich kaum vorstellbar, dass es bis jetzt keine Grenzwerte für den laufenden Betrieb an Bord gibt. Die geplanten Neuerungen beinhalten sowohl Anforderungen an die interne Betriebsüberwachung als auch die behördliche Kontrolle. Hierfür werden auch das Führen eines Abwassertagebuches und eines Abwassermanagementplanes gefordert. Eine Vorlage für diese Dokumente wurde vom Arbeitskreis NA 132–02–04–01 AK »Abwasserbehandlung an Bord von Seeschiffen« der DIN-Normenstelle Schiffs- und Meerestechnik (NSMT) durch Deutschland bei der IMO eingereicht. Für die Erlangung des schiffsspezifischen »International Sewage Pollution Prevention Certificate« (ISPPC) wird zukünftig zusätzlich ein praktischer Nachweis der Funktionsfähigkeit durch eine Inbetriebnahmeprüfung notwendig sein. Neben der Einführung dieser neuen Instrumente werden auch die Anforderungen an die Baumusterprüfung überarbeitet. Die Prüfungsdauer für den praktischen Nachweis der Reinigungsleistung beträgt bis jetzt zehn Tage. Wenn wir diesen Zeitraum mit dem Testzeitraum von 38 Wochen für Kleinkläranlagen nach EN 12566–3 vergleichen dann wird deutlich, dass die Aussagekraft der aktuellen Baumusterprüfung sehr begrenzt ist. Hier dienen die Vorgaben zur Baumusterprüfung für Bordkläranlagen auf Fahrgastbinnenschiffen gemäß dem Europäischen Standards der technischen Vorschriften für Binnenschiffe (ES- TRIN) als gute Vorlage. Dieser Prüfstandard wurde unter maßgeblicher Beteiligung des Prüf- und Entwicklungsinstituts für Abwassertechnik an der RWTH Aachen erarbeitet. Wann könnte die neue MARPOL-Anlage IV frühesten in Kraft treten? Bis die überarbeitete MARPOL-Anlage IV und die zugehörigen Richtlinien in Kraft treten werden, wird noch etwas Zeit ins Land gehen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Änderungen kurzfristig in Kraft treten würden. Allerdings erfordert die intensive Überarbeitung ihre Zeit sowie die spätere Ratifizierung. Zusätzlich wird es nach der Ver- 72 HANSA – International Maritime Journal 07 | 2021

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY abschiedung Übergangsfristen für Bestandsschiffe und Neubauten geben. Es ist geplant, die Bearbeitung bei PPR in zwei Jahren abzuschließen. Somit könnte die neuen Regularien frühestens 2023 bei MEPC verabschiedet werden. Der Zeitraum bis zum Inkrafttreten betrug bei der letzten Überarbeitung der Prüfungsvorschrift zum Beispiel drei Jahre. Somit wäre ein realistisches Datum für das Inkrafttreten frühestens 2026. Und was wird sich dann an Bord ändern? Werden die Schiffsabwässer anderes behandelt? Wird dafür anderes Equipment an Bord gebraucht? Sind bestehende Anlagen an Bord korrekt ausgelegt und werden auch richtig betrieben, dann werden sich für die Betreiber zukünftig keine gravierenden Änderungen ergeben. Ziel der Überarbeitung ist es die Anlagen zu identifizieren die für ihren Anwendungsfall nicht geeignet sind. Diese werden dann natürlich ertüchtigt oder erneuert werden müssen. Anlagen zur Abwasserbehandlung basieren immer aus mechanischer beziehungsweise physikalischer Behandlung in Kombination mit einer biologischen Behandlungsstufe. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Geeignete Anlagen sind bereits am Markt von einer Vielzahl von Herstellern verfügbar. Es werden allerdings nicht mehr solche Anlagen zum Einsatz kommen, die lediglich auf die Erfüllung der Anforderungen der Baumusterprüfung an Land ausgelegt waren. Für die Betriebsüberwachung werden zukünftig geeignete Instrumente zur Erfassung der Volumenströme und indikativer Parameter wie zum Beispiel Trübung zum Einsatz kommen. Sie und weitere Branchenvertreter haben im Frühjahr dieses Jahres ein White Paper veröffentlicht. Im dem Papier weisen Sie darauf hin, dass bei der Annex-Überarbeitung lediglich das Schwarzwasser betrachtet wird. Grauwasser sei außer Acht gelassen worden. Warum ist das aus Ihrer Sicht problematisch? Zum jetzigen Zeitpunkt unterscheidet sich die Definition von Abwasser auf Seeschiffen gravierend von der Definition an Land. An Land ist es ein Oberbegriff für aus verschiedenen Quellen stammendes Wasser, das über bauliche Anlagen abgeleitet wird. In MARPOL-Anlage IV wird Abwasser allerdings nur als das aus Toiletten und Urinalen stammende Schwarzwasser und Hospitalabwasser definiert. Für Grauwasser gibt es aktuell keine Anforderungen. Die Konzentrationen der Schmutzbelastung sind im Grauwasser im Durchschnitt geringer als im Schwarzwasser. Für die Beurteilung der vom Schiffsabwasser ausgehenden Belastung für die Gewässer ist aber eine Betrachtung der Gesamtfrachten notwendig. Bei dieser Betrachtung zeigt sich, dass auf Frachtschiffen die Belastung aus dem Grauwasser mit der vom Schwarzwasser vergleichbar ist. Bei Kreuzfahrtschiffen kann diese Belastung auch dem dreifachen der Fracht vom Schwarzwasser entsprechen. Daher Martin Systems GmbH Friedrichstraße 95 | 10117 Berlin | Germany martin-systems.com donnerandfriends.de BMA ® C ........................ Equipment for Cruise Ships Guaranteed compliance to hygienic standards. Certified according to IMO standard MEPC.227(64) with nutrient removal and to CDNI. Vacuum systems & toilets Food waste systems Membrane filtration system MBR Maintenace and remote services Galley water treatment Biological Mechanical pre-treatment Treatment Wastewater units Waste Biological handling and Wastewater incineration Treatment Exhaust air treatment Transfer pump units Biological treatment systems Sludge handling equipment Grey water transfer Advanced Wastewater Treatment Technologies for Vessels & Offshore MEMBERS OF ABIONIK GROUP HANSA – International Maritime Journal 07 | 2021 73

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