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HANSA 07-2021

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SCHIFFFAHRT | SHIPPING

SCHIFFFAHRT | SHIPPING Grüne Autos brauchen grüne Logistik Wenn Autohersteller wie Volvo ihren Betrieb auf Nachhaltigkeit trimmen, kommt auch dem Logistiksektor als bisherigem »Problemkind« in Sachen Dekarbonisierung eine besondere Rolle zu. Wie können Reedereien und Terminals Schritt halten? Von Felix Selzer Die Car-Carrier-Reederei UECC sieht sich in einer Vorreiterrolle beim »grünen« Transport von Fahrzeugen. Mit dem aktuellen Neubauprogramm eilt man den Klimazielen der IMO für 2030 voraus. Die Norweger liefern damit zusammen mit den Umschlagterminals wichtige Bausteine in der Autolieferkette, die Hersteller wie Volvo klimaneutral machen wollen, wie jüngst gemeinsam mit Partnern veröffentlicht wurde. Die Reederei hat in der jüngeren Vergangenheit bereits mit LNG-betriebenen Autofrachtern im Markt für Aufsehen gesorgt. Nun zündet das Joint Venture von Nippon Yusen Kaisha (NYK) und Wallenius Lines mit LNG-Hybrid-Schiffen die nächste Stufe der Entwicklung hin zu einer umweltfreundlicheren Autologistik. Glen Edvardsen, CEO von UECC, erklärt: »Wir wollen vorn dabei sein und der führende Anbieter von Shortsea- RoRo-Verkehren in Europa sein. Dafür wollen wir nicht nur neue Schiffe bauen, sondern auch Lösungen für bestehende Schiffe finden. Das ist nicht einfach.« Denn es gehe darum eine Lösung zu finden, ich auch wirtschaftlich nachhaltig ist, sowohl was die Kosten als auch was die Skalierbarkeit angeht. »Vor 15 Jahren war es noch einfach, sich für einen Kraftstoff zu entscheiden. Heute ist das schon schwieriger. Man braucht eigentlich eine Glaskugel«, so Edvardsen. LNG sieht er nicht als Schiffskraftstoff der Zukunft, als Übergangslösung schon. »Wir prüfen jede Möglichkeit, die es gibt«, sagt er. Dazu zählt etwa Biodiesel für die bestehende Flotte, aber auch Biogas und synthetisches LNG sollen mit Blick auf die Klimaziele der IMO für 2050 die mit fossilem LNG erreichte Verkleinerung des CO 2 -Fußabdrucks weiter vorantreiben. Mit Dual-fuel- Technik sei man aber sicher auf alles vorbereitet, was die Zukunft bringen könnte. Grüner Flottenausbau Mit den LNG-PCTCs »Auto Eco« und »Auto Energy« waren die Norweger die ersten im Markt und auch mit den neuen LNG-Batterie-Hybridschiffen sind sie Vorreiter. Mittlerweile ist das dritte Schiff in China bei Shanghai Jiangnan Shipyard auf Kiel gelegt worden. Die Einheiten messen 169 m in der Länge und 28 m in der Breite und bieten Platz 3.600 Fahrzeugeinheiten auf zehn Decks. Der erste Neubau schwimmt bereits und soll im Herbst dieses Jahres abgeliefert werden, die nächsten beiden sollen im ersten Halbjahr 2022 folgen. »Es ist kostspielig, führend zu sein, und herausfordernd, immer der Beste sein zu wollen. Wir wagen es, voran zu gehen, weil wir davon überzeugt sind, dass Rentabilität und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen«, sagt Edvardsen. Mit den Hybridschiffen will UECC sicherstellen, die IMO-Ziele für eine 40-prozentige Reduktion der Kohlenstoffintensität bis 2030 zu erreichen beziehungsweise sogar zu übertreffen. Langfristige Partnerschaften Die Umstellung will die Reederei über die gesamte Logistikkette vorantreiben, das geht nicht ohne die Unterstützung durch die Kunden. Die wiederum brauchen Partner, um ihren eigenen Fußabdruck zu verkleinern. Einer der Partner von UECC ist der Autohersteller Volvo, der seine Lieferkette auf Klimaneutralität trimmen will. Bis 2040 will der schwedische Autobauer klimaneutral sein. »Wir machen ernst bei der Elektrifizierung«, sagt Martin Corner, Vice President, Global Supply Chain, Volvo Cars. Bis 2025 soll das gesamte Portfolio zumindest teilweise elektrifiziert sein, 50 % davon komplett durch Batterien. Für die eigenen Prozesse und Fabriken hat der Autohersteller recht klare Pläne auf dem Weg zur Klimaneutralität – und die Kontrolle über die Umsetzung. Schwierig wird es bei allem, was außerhalb der Kontrolle des Konzerns in der Lieferkette passiert. Hier will man über »decision making« und relation making« UECC wird in diesem Jahr der erste PCTC-Operator mit einem LNG-Hybrid-Autofrachter sein, 2022 sollen zwei Schwesterschiffe folgen © UECC 22 HANSA – International Maritime Journal 07 | 2021

SCHIFFFAHRT | SHIPPING Abstract: Green cars need a green logistics As car makers like Volvo are pushing their portfolio and production towards electrification, the decarbonization »problem child« that is the logistics sector plays an important role. A look at supply chain partners Vovo, UECC, ICO Terminals and DNV shows how shipping companies and terminal operators keep up with the development. angreifen. »Wir suchen unsere wichtigsten Partner danach aus, ob sie dieselben Ambitionen haben, wie wir«, sagt Corner. Das »schwarze Schaf« in der Wertschöpfungskette sei die Logistik, denn noch gebe es einfach keine CO 2 -neutralen Logistiklösungen, allerdings gelte das nicht nur für den Seetransport, sondern ganz besonders auch für den Lkw- Verkehr. Jedenfalls habe der Bereich Transport Probleme, mit der Nachhaltigkeitsentwicklung Schritt zu halten. »Wir versuchen also mit Anbietern zu arbeiten, die Biokraftstoffe nutzen, wir müssen uns aber auch die globalen Lieferketten und die Transportdistanzen anschauen und diese überdenken«, so Corner. Konkret auf den Seeverkehr bezogen meint er: »Wir müssen uns auf langfristige strategische Partnerschaften einstellen. Das erfordert auch mehr Vertrauen und mehr Engagement von uns als Ladungseigner in solchen Partnerschaften.« Es gehe darum, einen Teil des Wettbewerbsdrucks aus dem RFQ-Zyklus herausnehmen, also nicht nur auf das kurzfristig billigste Angebot zu setzen, wie man es seit Jahrzehnten mache. Stattdessen müsse man auf langfristige Logistiklösungen und Zusammenarbeit setzen. Dafür seien aber auch die Reedereien gefordert, ihre Kosten transparent zu machen. Gleichzeitig effizient und grün Ein weiterer Verbündeter von UECC ist die hundertprozentige NYK-Tochter ICO Terminals, die zwei Umschlaganlagen in Zeebrugge und eine in Antwerpen betreibt. An diesen werden im Jahr zusammengenommen über 2,7 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen. ICO übernimmt auch Agenturdienstleistungen, Processing und Zollabwicklung sowie Tür-Tür-Transporte bis zum Kunden. Geschäftsführer Marc Adriansens setzt auf dem Weg zu einer grüneren Lieferkette auf gesteigerte betriebliche Effizienz durch Digitalisierung und auf die Elektrifizierung der Terminals. Mit elf Windturbinen – der größten industriellen Windkraftanlage Flanderns – produziert ICO 110 Gwh pro Jahr, womit theoretisch rund 20.000 E-Autos pro Woche aufgeladen werden können. Weitere Energie erzeugen Solaranlagen auf den Dächern der ICO-Lagerhäuser und weitere Maßnahmen wie LED-Beleuchtung der Anlagen. Am Kai laufen derzeit Projekte zur Bereitstellung von Landstrom – alle UECC- Neubauten werden entsprechend ausgestattet – unter Ausnutzung der eigenen Windkraftanlage. Um Energiesicherheit zu gewährleisten, prüft man nun den Einsatz von Batterie-Packs, sollte einmal nicht genug Wind wehen. Dazu läuft derzeit ein Pilotprojekt mit UECC. »Das Ziel ist es, den CO 2 -Ausstoß sowohl direkt als auch indirekt, also durch effizientere Prozesse, zu senken«, sagt Adriansens. Dazu zählt auch der Einsatz künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens. In Zusammenarbeit mit akademischen Partnern wird ein Digital Twin des Terminals in Flandern erstellt, um das Terminal-Betriebssystem zu optimieren. Denn wenn bei 2,7 Millionen Autos im Jahr jedes rund 1 km auf dem Terminalgelände bewegt werden muss, kommen eine Menge Kilometer zusammen. Jede unnötige Bewegung spart also CO 2 . »Diese Investitionen helfen uns also, betrieblich effizienter zu sein und gleichzeitig grüner zu werde«, sagt der ICO-Manager. »Richtige Schritte zeitig setzen« Auch die Klassifikationsgesellschaft DNV ist als Partner bei UECCs Neubau- und Nachhaltigkeitsprogramm an Bord. Knut Ørbeck-Nilssen, CEO DNV – Maritime, sieht die Dekarbonisierung als die große Herausforderung unserer Zeit, »und die Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen«, sagt er. Dabei bewege man sich in einer komplizierten Landschaft aus technischer Entwicklung und regulatorischen Neuerungen, die an Komplexität noch zulegen werde. »Bei DNV sehen wir daher eine sich auftuende Sicherheitslücke. Die muss geschlossen werden und einen sicheren und fristgerechten Wende zu Die NYK-Tochter ICO setzt in Zeebrugge auf Windstrom für den Terminalbetrieb und auf E-Autoladestationen © ICO Terminals schaffen«, so Ørbeck-Nilssen. Die Klassifikationsgesellschaft hat dabei auch die Menschen im Blick, denn Statistiken zeigen, dass bei Schiffsunfällen doch an irgendeiner Stelle menschliches Versagen den Ausschlag gegeben hat. »Die Seeleute müssen mit zunehmender Automation, Digitalisierung, mehr Kommunikation mit dem Landpersonal und einer wachsenden Zahl von Kraftstoffoptionen umgehen. Wenn wir nun noch weitere Kraftstoffalternativen hinzufügen, wird natürlich auch das Management immer komplizierter«, sagt Ørbeck-Nilssen. »Es braucht also einen anderen Ansatz. Wir müssen die neuen Risiken auf dem Schirm haben und die richtigen Schritte, ihnen zu begegnen, früh genug unternehmen. Sonst setzen wir unsere Fortschritte bei dieser großen Herausforderung Dekarbonisierung aufs Spiel.« HANSA – International Maritime Journal 07 | 2021 23

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