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HANSA 07-2020

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SchiffstECHNik | Ship

SchiffstECHNik | Ship tECHNology Die »Dresden« hat erstmalig Kontakt mit dem Wasser Multifunktionalität als Kernidee © HPA Noch in diesem Jahr soll die Flotte Hamburg weiter wachsen: Zwei multifunktional einsetzbare Neubauten stoßen hinzu, die auch mit Batterien betrieben werden können. Die Einheiten sind jüngst vom Stapel gelaufen. Von Thomas Wägener Mitte April kam es im Hamburger Stadtteil Moorfleet zu einem Feuer in einem Bootslager. Wegen der Tide musste allerdings ein Feuerlöschboot auf der Elbe seinen Einsatz abbrechen. Das soll künftig nicht mehr vorkommen, denn die Flotte Hamburg, eine 100-prozentige Tochter der Hamburg Port Authority (HPA), hat zwei Feuerlöschschiffe in Auftrag gegeben, die auch für Arbeiten in flachen Gewässern geeignet sein sollen. Im Sommer 2017 hatte das Unternehmen, das für das Flottenmanagement aller Behördenschiffe im Hafen zuständig ist, die Arbeit aufgenommen. Im Dezember vergangenen Jahres wurde der bisher größte Neubau übernommen – das Feuerlöschschiff »Branddirektor Westphal«. Gebaut wurde es bei der Fr. Fassmer Werft in Berne an der Unterweser. Das Konzept sah jedoch von Anfang an den Erwerb zweier weiterer Schiffe vor, die auch, aber nicht ausschließlich zur Brandbekämpfung genutzt werden können und die das Feuerlöschschiff ergänzen. Dieser Auftrag ging in die Niederlande an die Concordia Damen Werft. Noch im selben Monat wurden die beiden baugleichen Einheiten auf Kiel gelegt. »Uns war wichtig, dass die Schiffe multifunktional eingesetzt werden können«, sagt Karsten Schönewald, Geschäftsführer der Flotte Hamburg. Dies sei gewährleistet, auch weil sie mit 35 m Länge, 8 m Breite und einem Tiefgang von 1,50 m kleiner als die »Branddirektor Westphal« seien. Deshalb könnten sie auch Technische Ausstattung Generatoren Ruderpropeller Bugstrahler Batteriesystem Powermanagement/ Alarmmonitoringsytem 2× C18 345 ekW, 1× C9.3 250 ekW: Caterpillar 2×380 ekW: Schottel 100 kW: Schottel 315 kWh/DoD 252 kWh (30 Zellen je 52 V/200 Ah): EST-Floattech Siemens Navigationselektronik (geliefert von Alphatron) besteht aus Autopilot AlphaPilot MF MK3: Alphatron Inland ECDIS Radarpilot IN 720 Grad FE: Alphatron DGPS JRC & Saab Dynamische Positionierung DP 400: Navis Inland aiS em-track GPS-Kompass JRC Echolot DGS 101: Skipper UKW-Funk Sailor 6248: Thrane & Thrane Kamera Axis in engeren und flacheren Hafenbereichen eingesetzt werden. Damit würden sich die drei Einheiten bestens ergänzen, denn so könne der gesamte Hafen abgedeckt werden. Die nach Hamburgs Partnerstädten Dresden und Prag benannten Neubauten sind jüngst bei Damen Shipyards Kozle im Süden von Polen vom Stapel gelaufen, sie können künftig sowohl als Löschboot für die Feuerwehr Hamburg als auch für Aufgaben der HPA verwendet werden, unter anderem bei der Prüfung von Brücken – das sind dann auch die Charterer der Schiffe. Die Ablieferung ist Ende dieses Jahres vorgesehen, die Inbetriebnahme 2021 geplant. Der Vorteil der Multifunktionalität sei ein beliebiger Austausch, etwa bei einem Werftaufenthalt eines der Schiffe, sagt Schönewald. Umgekehrt könne sich die Feuerwehr bei einem Einsatz melden und das Schiff anfragen. Die Besatzung würde die Einheit in einem solchen Fall dann verlassen und für die Crew der Feuerwehr frei machen. Deshalb seien die Hubvorrichtun- 30 HANSA – International Maritime Journal 07 | 2020

SchiffstECHNik | Ship tECHNology 3 Fragen an … »Das beste Angebot kam von Concordia Damen« Karsten Schönewald, Geschäftsführer Flotte Hamburg Worin unterscheiden sich die beiden Neubauten aus den Niederlanden von dem großen Feuerlöschschiff »Branddirektor Westphal«, das bei der Fr. Fassmer Werft gefertigt wurde und warum wurde dieses Mal eine andere Bauwerft ausgewählt? Karsten Schönewald: Die »Westphal« ist ein Spezialschiff. Der Unterschied der Neubauten besteht nicht nur in der geringeren Größe, sondern betrifft das gesamte Konzept. Bei der Ausschreibung fielen neben dem Preis auch die Kriterien Lieferzeit und die Leistungsfähigkeit des Hybridsystems ins Gewicht. Hier war uns wichtig, wie lange die Schiffe vollelektrisch fahren können. Alles zusammen betrachtet, hat Damen Shipyards das beste Angebot unterbreitet. Für welche Einsätze neben der Brandbekämpfung sind die neuen Schwesterschiffe vorgesehen, worauf wurde bei der Entwicklung besonders Wert gelegt? Schönewald: Neben der Brandbekämpfung können die neuen Schiffe auch für Rettung und Bergung, technische Hilfeleistungen, sowie im Umweltschutz und der Kampfmittelbeseitigung eingesetzt werden, die in den Bereich der Feuerwehr fallen. Die an Bord installierten Hebeeinrichtungen sind aber auch für die Prüfung von Brücken ausgelegt. Uns ist wichtig, dass die Schiffe multifunktional sind. Das hat es bisher noch nie gegeben, dass ein Schiff sowohl für die Brandbekämpfung als auch für Aufgaben genutzt werden kann, die in den Bereich der Hamburg Port Authority (HPA) oder anderer Kunden fallen. Um die jeweilige Ausrüstung an Bord zu nehmen, befindet sich an Deck ein Stellplatz für einen Container. Welches sind die nächsten Schritte in Bezug auf die Flotte? Schönewald: Wir haben insgesamt rund 50 Schiffe in der Bereederung. Im Allgemeinen haben wir immer ein bis zwei Neubauten im Auftrag. In Kürze werden wir einen sogenannten »Bed Leveler« vergeben, ein Schiff zur Wassertiefeninstandhaltung. Danach widmen wir uns den Polizeibooten. Auch hier sind Neubauten geplant, bei denen Multifunktionalität und Vereinheitlichung wichtig sind. Darüber hinaus rüsten wir unsere Bestandsflotte weiter mit umweltfreundlicher Technik aus. Sechs Einheiten haben wir bereits mit SCR-Systemen und Partikelfilter nachgerüstet, im Durchschnitt bekommen drei Schiffe pro Jahr diese Technologie. Auch das Thema Wasserstoff haben wir im Blick. Des Weiteren steht eine Modernisierung unserer Schiffe auf der Alster an. Interview: Thomas Wägener gen sowohl mit einem Personenkorb als auch mit Löschmonitoren versehen. Die spezielle Ausrüstung werde in wechselbaren Containern aufbewahrt und erlaube somit jederzeit auch spontane Einsätze, so die Hamburger. Dadurch werde ein Schiff eingespart, unterstreicht Schönewald. Im Gegensatz zur »Branddirektor Westphal« erhalten die »Prag« und »Dresden« das dunkelblaue Design der Flotte Hamburg. Die beiden Neubauten haben eine Löschleistung von je 30.000 l Abstract: Multifunctional usage The Flotte Hamburg, a wholly owned subsidiary of the Hamburg Port Authority, gets two more fire fighting ships from Concordia Damen Shipyard this year. Due to their size and draught, they can also be used in shallow port areas. In addition to fire-fighting, the intention is to deploy them for work carried out by the HPA, e.g.bridge inspections. pro Minute und eine Wurfweite von 110 m. Damit reichen sie zwar nicht an die Leistung des großen Feuerlöschschiffes heran, liegen aber dennoch deutlich über den vorhandenen Schiffen der 20 m- Klasse. Sowohl die beiden Löschmonitore als auch die Pumpen mit Löschschaum und die Wasserspay-Pumpen stammen vom norwegischen Unternehmen FFS. Der deutsche Hersteller Dräger lieferte die Gaswarnanlage, Flir aus den USA die Wärmebildkamera. Zur Ausstattung gehört auch ein bordeigener Kran. Antriebssystem und Steuerung Die beiden Neubauten bieten Platz für je 16 Einsatzkräfte der Feuerwehr und werden mit einer zweiköpfigen Besatzung betrieben. Die Flottenzugänge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 12 kn. Ausgestattet sind sie mit modernen Plug- In-Hybridantrieben. Er erfolgt wahlweise über Dieselaggregate mit Katalysator und Partikelfilter, oder bis zu 120 Minuten vollelektrisch über Batterien. Diese könnten sowohl über die bordeigenen Dieselaggregate als auch über Landstrom geladen werden, heißt es. »Die beiden neuen Multifunktionsboote setzen sowohl in puncto Umweltfreundlichkeit als auch bei der Sicherheit im Hamburger Hafen neue Maßstäbe«, sagt Schönewald. Die Antriebstechnik stelle den nächsten Evolutionsschritt hin zur umweltfreundlichen Flotte dar. GTL als Kraftstoff der Wahl Zu den Plänen gehört auch die Nutzung des Kraftstoffs GTL, den die Flotte Hamburg bereits wenige Monate nach ihrer Gründung auf ihren Schiffen eingeführt hatte. Entwickler und Lieferant ist der Minaerlölkonzern Shell. Mit diesem biologisch abbaubaren, farblosen und nahezu geruchsneutralen Produkt wollen die Hanseaten einen Beitrag zur Umweltschonung leisten. Gerade für den Einsatz in stadtnahen Gebieten sowie auf Personenschiffen gilt er als beliebt, da dadurch auch die Rußwolken aus dem Schornstein nahezu verschwinden. Ein weiterer Vorteil: GTL lässt sich in jedem Mischverhältnis verwenden. Der Tank muss vor der Nutzung also nicht aufwendig gereinigt werden. n HANSA – International Maritime Journal 07 | 2020 31

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