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HANSA 06-2020

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Schiffstechnik | Ship Technology Werften fürchten Auftragsloch Der Schiffbauverband VSM sieht die Auftragslage KENNZAHLEN DES ZIVILEN bei SCHIFFBAUS den deutschen Werften in akuter Gefahr und fordert eine bessere Krisenabwehr wie ein zeitlich befristetes Flottenprogramm CGT WELTSCHIFFBAU IN MIO. CGT Kaum jemand hat die Folgen der grassierenden Corona-Pandemie für den 200 180 160 Schiffbau im Lande so eindringlich beschrieben 120 wie jüngst Bernard Meyer. 140 100 Der Papenburger Werftchef fürchtet angesichts 60 der Corona-bedingten Krise im 80 40 Kreuzfahrtsektor 20 für mehrere Jahre ein 0 Auftragsloch. In Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover wird um eine Perspektive für die Werft gerungen. CGT SCHIFFBAU IN EUROPA Die bislang IN MIO. CGTvon Erfolg verwöhnte Meyer Werft steht wegen ihrer Größe und des Interesses 16 der breiten Öffentlichkeit besonders im Rampenlicht, doch die Lage 14 12 bei anderen deutschen Werften ist kaum 10 besser. 8 Die FSG in der Insolvenz, die MV Werften 6 auf Bürgschaften angewiesen, 4 überall greifen Kurzarbeit, Entlassungen 2 und andere Krisenmaßnahmen. 0 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 79,7 Mio. Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) schlägt deshalb Alarm. Die Werften bräuchten dringend Aufträge, um die 34,3 herannahende Mio. Flaute zu überleben. Bund und Länder sollen ein Flottenprogramm aufle- 21,1 Mio. gen, um Aufträge für Behördenfahrzeuge oder Forschungsschiffe vorzuziehen. Auch »Anreizprogramme«, sprich eine öffentliche Förderung, für die Entwicklung und Installation umweltfreundlicher Technologien sollen 11,7 Mio. für eine bessere Auslastung der heimischen Schiffbaubetriebe sorgen. Eigentlich sah man sich 2,6 mit Mio. einem noch für vier Jahre reichenden Orderbuch gut aufgestellt. Doch 2,6 Mio. jetzt wird die ganze Branche, die bundesweit rund 200.000 Menschen direkt und indirekt in Quelle: SEA Europe/IHS Fairplay 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Quelle: SEA Europe/IHS Fairplay TRENDS 2019 SEESCHIFFBAU IN DEUTSCHLAND IN MRD. EURO 18,7 Mrd. 20 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 Entwicklung [6] Schiffbau in Deutschland 3,1 Mrd. 2,1 Mrd. 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 VSM SCHIFFBAU & MEERESTECHNIK Auftragsbestand Quelle: VSM Ablieferungen Auftragseingänge ENTWICKLUNG DES WELTSCHIFFBAUS TONNAGE IN MIO. GT 180 160 140 120 100 80 60 40 20 Ablieferungen Auftragseingänge 0 1968 1971 1974 1977 1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013 2016 2019 Entwicklung des Weltschiffbaus Datenquelle: SEA Europe / IHS Fairplay Darstellung: VSM © VSM rund 2.800 Unternehmen beschäftigt, unverschuldet mit voller Wucht von der Corona-Krise getroffen. Investitionsentscheidungen könnten jetzt zurückgestellt oder sogar bestehende Aufträge storniert werden. Bleiben aber künftig Bestellungen der Reeder in den kommenden zwei bis drei Jahren auf breiter Front aus, dürfte auf vielen deutschen Werften die Arbeit ausgehen, warnt der VSM. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen könnte die europäische Werftkapazität um 50-75% schrumpfen, lautet die eindringliche Warnung. »Darüber müssen und wollen wir mit der Politik schnellstmöglich ins Gespräch kommen«, sagt VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken. Zum Beispiel darüber, wie genau die Forderungen in die Praxis umgesetzt werden könnten. Ziel müsse es sein, einen Teil des erwarteten Nachfrageausfalls zu kom- 42 HANSA – International Maritime Journal 06 | 2020

Schiffstechnik | Ship Technology VSM SCHIFFBAU & MEERESTECHNIK ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN ZIVILEN SEESCHIFFBAUS AUFTRAGSWERTE IN MRD. € 20 18 Ablieferungen Auftragseingänge Auftragsbestand 16 14 12 10 8 6 4 2 0 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Gesamtumsätze der Werften in Quelle: Mio. VSM € © Meyer Werft pensieren, um einen »unkontrollierten Flurschaden« zu verhindern. Zusätzlich müsse es gelingen, effektive Instrumente gegen Wettbewerbsverzerrungen im Schiffbau einzuführen. Schon heute seien verschärfte Dumpingpraktiken und aufflammende Subventionswettläufe vor allem in Asien zu beobachten. Dabei galt die Ausgangslage im deutschen Schiffbau zur Jahreswende noch als gut. Mit Aufträgen bis 2023 im Wert von 18,7 Mrd. € stand man besser da als die Konkurrenz in China, Korea oder Japan mit rund zwei Jahren Auftragshorizont. Für 3,1 Mrd. € waren 2019 Neubauten abgeliefert worden, für 2,1 Mrd. € weitere Schiffe in die Bücher genommen worden. Doch dann kam Corona: Bislang seien in diesem Jahr ganze 100 Bestellungen im Wert von 5,5 Mrd. $ weltweit eingegangen, davon nur fünf Schiffe bei europäischen Anbietern. KF des Jahres 2019 mit 54 Schiffen und einem Lösungskonzepte unter Berücksichtigung Gesamtvolumen von rund 18,7 Mrd. Euro stabil Das Auftragsbuch deutscher Werften wird außerdem ergänzt durch Fähren, RoRo-Schiffe und einiger Einheiten kleiner Mehrzweckfrachter für Nischenmärkte. Die Bestellungen kamen in 2019 überwiegend von ausländischen Kunden. Inlandsbestellungen an zivilen Seeschiffen machten, wie auch schon in den vergangenen Jahren, nur einen geringen Anteil von wenigen Prozent aus. anspruchsvoller Einsatzanforderungen gefragt, 2015 % 2016 % 2017 % 2018 % 2019 % Ausland | For foreign accounts 3.303 65 3.622 67 4.076 67 3.721 73 3.803 66 auf hohem Niveau. Die Auftragseingänge die oft in Einzelfertigung umgesetzt werden. beinhalten Inland | dabei For national Kreuzfahrtschiffe accounts und Megayachten sowie Arbeits- und Behördenschiffe. Industrie ist dabei die Entwicklung 1.812 Eine 35große 1.796 Stärke der 33deutschen 1.801 maritimen 33 1.357 27 1.945 34 innovativer, grüner Technologien. Die Ausstattung Total 5.115 100 5.417 100 5.877 100 5.077 100 5.747 100 mit umweltfreundlichen LNG- oder Hybrid- Antrieben ist für deutsche Schiffbauer keine Seltenheit mehr. Mit einem deutlich enger werdenden Weltmarkt, wächst allerdings auch die Konkurrenz in den zurzeit erfolgreichen Nischen. Um die Zukunftsfähigkeit am Standort Deutschland zu sichern, sind geeignete Rahmenbedingungen unumgänglich, um auch zukünftig die Entwicklung innovativer Gesamtumsätze der Werften in Mio. € 2015 % 2016 % 2017 % 2018 % 2019 % In diesen vielfältigen Nischenmärkten abseits Produkte und führender Technologien weiter des Schleswig-Holstein Standardschiffbaus sind individuelle 1.085 voranzutreiben. 21 1.538 28 1.527 28 622 12 909 16 Hamburg 404 8 286 5 272 5 k. A. k. A. Bremen 759 15 870 16 1.129 16 739 15 844 15 Niedersachsen | Lower Saxony 1.943 38 2.078 38 2.251 38 1984 1) 39 2.952 51 Mecklenburg-Vorpommern 597 12 368 2) 7 358 2) 7 523 2) 10 482 2) 8 [21] Übrige Länder | Other states 327 6 277 2) 5 340 2) 5 k. A. k. A. Total 5.115 100 5.417 100 5.877 100 5.077 100 5.747 100 Umsätze nach Bundesländern in Mio. € 2015 2016 2017 2018 2019 Schleswig-Holstein 5.117 5.145 5.259 5.268 5.449 Hamburg 1.353 1.510 1.427 1.222 1.202 Bremen 1.464 1.528 1.358 1355 2) 1.421 Niedersachsen | Lower Saxony 5.439 5.743 5.839 6.083 6.305 Mecklenburg-Vorpommern 2.887 2.204 2) 2350 2) 3994 2) 4671 2) Übrige Länder | Other states 1.782 1.562 2) 1708 2) 1588 2) 1287 2) Total 18.042 17.692 17941 2) 19.510 20.335 Beschäftigte der Werften nach Bundesländern (Jahresdurchschnitt) © VSM HANSA – International Maritime Journal 06 | 2020 43

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