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HANSA 06-2020

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Versicherungen | Insurance Bergungsmarkt: Ardent- Rückzug erst der Anfang? Der hohe Vorfinanzierungsbedarf für Projekte macht Salvage-Firmen schwer zu schaffen. Von Michael Hollmann Die Höhe von Bergelöhnen sorgt in der Schifffahrt mitunter für Erstaunen, nicht selten sogar für Häme. Dabei zeigt der Rückzug der niederländischamerikanischen Firma Ardent, dass die Bäume in diesem Geschäft keinesfalls in den Himmel wachsen. Zumindest seien Renditeansprüche professioneller Investoren kaum zu erfüllen, ist von Marktinsidern als Reaktion darauf zu hören. Nur sieben Monate nach Übernahme durch die Private-Equity-Firma Aurelius verabschiedete sich Ardent im Mai überraschend aus dem Markt. Zuvor war bereits das Geschäft für Bergungen und Brandbekämpfung in US-Gewässern an Boskalis/ Smit verkauft worden. Wie die Abwicklung der Firma vollzogen und die verbliebenen Vermögenswerte verwertet werden sollen, ist offen. Ardent lehnt jeglichen Kommentar dazu ab. Aurelius reagierte auf mehrere Anfragen der HANSA gar nicht. Aus dem Jahresbericht des Investors geht hervor, dass Ardent 2019 einen mittleren zweistelligen Millionenverlust einfuhr. Dass die Gründer und früheren Gesellschafter Maersk (Svitzer Salvage) und Crowley Maritime (Titan Salvage) unbedingt aussteigen wollten, verwundert vor diesem Hintergrund nicht. Die als »Management-Buyout« titulierte Übernahme Abstract: Salvage market under pressure: Ardent only first to exit? The salvage industry is forced to deal with a casualty of its own as Ardent – the former joint subsidiary of Maersk/ Svitzer and Crowley Maritime – throws in the towel, just 7 months after its takeover by private equity firm Aurelius. Is it a planned carve-out or an unforeseen debacle for the investor? No one knows. But market insiders warn that high capital requirements and extended payback periods for salvage projects are causing pressure on all other players, too. Warmer Regen für P&I Clubs Das abgeschlossene Zeichnungsjahr 2019/2020 ist für die P&I Clubs der International Group besser als erwartet ausgegangen. Rund die Hälfte hat inzwischen Ergebnisse veröffentlicht, welche deutlich positiver als im Vorjahr ausfielen. Ausschlaggebend dafür sind stark gestiegene Kapitalerträge infolge des Höhenflugs an den Aktienmärkten. Damit konnten die in der Tendenz noch schlechteren Underwriting-Ergebnisse mehr als ausgeglichen werden. Die guten Erträge erklären wohl auch, warum der Markt im Vorfeld der Prolongationen per 20. Februar entgegen den Erwartungen »weich« blieb. Der Prämientrend war überwiegend stabil auf niedrigem Niveau – die Clubs konnten es sich leisten. durch Aurelius im September 2019 verschaffte der Firma nur eine Galgenfrist. Experten halten das Scheitern von Ardent für symptomatisch für den finanziellen Zustand der Branche. Während das Kerngeschäft der Bergungen und Wrackbeseitigungen dank Fortschritten bei der Schiffssicherheit in der Frequenz nachlässt, seien die finanziellen Risiken weiterhin enorm. Für den Ernstfall muss teures Gerät vorgehalten und nach Bedarf noch viel zusätzliches mobilisiert werden. »Die Kosten können bei 200.000 bis 300.000 $ pro Tag liegen, dann sind sie nach einem Monat bei fast 20 Mio. $. Das muss man erst mal vorfinanzieren«, beklagt ein erfahrener Manager. Bis der Bergelohn ausgezahlt wird, können zwei bis drei Jahre vergehen. Bei einem Auftrag unter einer »Lloyd’s Open Form« mit Schiedsverfahren in London ist das eher die Regel. »Da fließt für einen beteiligten Investor lange Zeit gar kein Geld.« Ob noch weitere Player wie Ardent das Handtuch werfen, bleibe abzuwarten. Schon jetzt müsste bei den großen Schiffsversicherern die Alarmglocken läuten. Neue Vergütungsmodelle, die eine schnellere Bezahlung garantieren, müssten her, mahnt der Manager. Denn ohne solide aufgestellte Bergungsfirmen stünden die Risikoträger auf dem Schlauch.n P&I-Marktführer Gard weist für 2019 einen Gewinn von 93 Mio. $ aus, nach 53 Mio. $ Verlust im Vorjahr. Britannia verdiente 56,4 Mio. $ (-9,3 Mio. $), Skuld 25 Mio. $ (11 Mio. $), West of England 31,7 Mio. $ (-2,1 Mio. $), der Swedish Club 24,6 Mio. $ (-5,2 Mio. $) und der Shipowners’ Club 36,1 Mio. $ (-37,9 Mio. $). Eine Gesamtanalyse folgt in der nächsten HANSA-Ausgabe, wenn die übrigen Ergebnisse vorliegen. Jüngste Kennzahlen aus dem Seekaskosektor fielen gemischt aus. Während Gard in der Sparte »Marine & Energy« operativ klar in die schwarzen Zahlen zurückkehrte (+17 Mio. $, kombinierte Schaden-Kosten-Quote: 93%), weist der finnische Versicherer Alandia für die Marine-Sparte ein Minus von 9,2 Mio. € aus (16,1 Mio. €). Beide Versicherer konnten ihr Prämienvolumen vor dem Hintergrund rückläufiger Kapazitäten im britischen und im asiatischen Markt kräftig ausbauen. Zumindest für Alandia zog das aber einen steilen Anstieg der Netto-Schadenskosten von rund 50% mit sich. Ein stark verbessertes Underwriting-Ergebnis präsentierte der Norwegian Hull Club (NHC) für das erste Quartal dieses Jahres. Unterm Strich stand ein technischer Überschuss von 19,1 Mio. $ (Q1|2019: -24 Mio. $). Die Schäden seien weit unter den Erwartungen geblieben, was wohl teilweise auf eine sinkende Verkehrsaktivität infolge der Pandemie zurückzuführen sei, so NHC. Da die Kapitalerträge gleichzeitig einbrachen, landet der Club beim Gesamtergebnis aber in den roten Zahlen. Der Verlust von 1,6 Mio. $ wirkt im Vergleich zum Vorjahr (-11,1 Mio. $) aber moderat.mph © Gard Rolf Thore Roppestad, CEO Gard: mit 93 Mio. $ zurück in der Gewinnzone 10 HANSA – International Maritime Journal 06 | 2020

Versicherungen | Insurance 4 2 1 6 Havariechronik 5 3 Datum Ereignis Ort Schiff Typ tdw Flagge Haftpflicht Reise 1 02.05. Krankollaps Rostock Orion 1 Installationsschiff 60.575 Panama k.A. Ausrüstung – Rostock 2 02.05. Container über Bord Zeebrugge OOCL United Kingdom Containerschiff 191.570 Hong Kong 3 02.05. Auf Grund Mendanau Island Asia Pearl IV Bulk Carrier 35.220 Singapur 4 08.05. Kollision Hochdonn Scheldebank vs Hochdonn General Cargo | Fähre 4.539 k.A. Niederlande | Deutschland North of England Standard P&I Club N. Nederlandsche / k.A. Felixstowe | Zeebrugge Laem Chabang– Merak Bantan Delfzijl | Inkoo (NOK) 5 11.05. Auf Grund Sambu Island Shahraz Containerschiff 86.018 Iran k.A. Port Klang | Yangshan 6 17.04. Blackout südöstl. Denia Vega Zeta Containerschiff 13.775 Liberia Standard Algier | Valencia Der kompette Überblick zu allen aktuellen Havarien unter www.hansa-online.de/havariechronik/ Folker Verwoldt wechselt zu Pandi Marine In der Bremer Maklerschaft gibt es eine Personalie, die aufhorchen lässt. Folker Verwoldt, langjähriger Leiter der Schadensabteilung bei JWA Marine, fängt am 01. Oktober bei Pandi Marine Insurance an. Er soll dort sowohl die Schadensbearbeitung als auch den Vertrieb vor allem für Seekaskogeschäft unterstützen, wie Thomas Kühl, geschäftsführender Gesellschafter von Pandi Marine, erklärt. Verwoldt genieße einen exzellenten Ruf bei Reedereien und auch im Seeversicherungsmarkt, »damit sind wir künftig hervorragend aufgestellt.« Kühl, der in den nächsten Jahren die Nachfolge in seinem Unternehmen klären muss, möchte Pandi Marine Insurance mit seiner klassischen Ausrichtung auf das P&I-Geschäft auf eine breitere Grundlage stellen. Die Firma soll zum »One-Stop- Shop« für Versicherungsbelange von Reedereien und anderen maritimen Dienstleistern werden. Während die Maklerbranche auf internationaler Ebene eine beispiellose Konsolidierung durchläuft, wünschten sich viele Reedereien weiterhin den persönlichen Service durch einen mittelständischen Makler, so Kühl. Das Fusionskarussell nahm im vergangenen Jahr mit der Übernahme von Jardine Lloyd Thompson durch Marsh & McLennan richtig Fahrt auf. Als nächstes will Aon sich den Wettbewerber Willis Tower Watson, zu dem auch JWA Marine gehört, einverleiben und an die Branchenspitze vorstoßen. Der Zusammenschluss, der noch kartellrechtlich genehmigt werden muss, soll im ersten Halbjahr 2021 erfolgen.mph +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm UK P&I Club treibt Telemedizin voran: Zusammenarbeit mit Dienstleister BlueMed vereinbart, Beratung und Ferndiagnose zu festem Honorarsatz pro Fall. Nachfrage aufgrund ausbleibender Ablösung von Mannschaften gestiegen. +++ IUMI-Jahreskonferenz ins Internet verlegt: Serie von Web-Sessions zwischen 14. und 25. September. +++ Brand Marine Consultants jetzt auch in Bremerhaven: Neue Adresse in der Seestadt: Altes Zollamt Raum OG 1.04. Zuständig vor Ort: Christian Schmude (BMC/Captain Förster). +++ Mexiko: P&I Clubs prangern Festnahmen an: Kapitän der »UBC Savannah« nach Drogenfund an Bord seit 10 Monaten in Haft. Weitere Schiffe in der Kette. P&I Clubs beklagen, Seeleute würden zu Sündenböcken für Strippenzieher aus Drogenschuggel gemacht. +++ Ergo hat Appetit auf »Marine«: Bruttoprämien für Transportgeschäft bei Tochter der Munich Re im ersten Quartal auf 52 Mio. € angestiegen, Vorjahr: 49 Mio. €. +++ P&I Clubs machen verstärkt Vessel Tracking: Gemeinsamer Standard für Datenauswertung vereinbart. Ziel: Sanktionsverstößen vorzubeugen. +++ Pandemie reißt Milliardenlöcher: Versicherungswirtschaft drohen laut Lloyd’s-Studie 107 Mrd. $ Corona-Schäden, plus 96 Mrd. $ Kapitalanlageverluste. Lloyd’s selbst erwartet Belastungen von 4,3 Mrd. $, vergleichbar mit 9/11. LEUTE, LEUTE +++ Brookes Bell: William Leschaeve (Naval Architect, Ex-LOC) neu im Londoner Team, Michael Riddell (Ex-LOC, Ex-Svitzer) in Singapur eingestellt. +++ North P&I: Neue Spezialisten für Ausbau des Seekaskogeschäfts angeworben: James Sutton (Ex-Neon) und Alex Fuller (Ex-Neon) als Underwriter Hull & Machinery, Nick Wolfe (Ex-Aon) als Underwriting Department Director. +++ Chubb: Guney Celik vom Marine Manager zum Regional Head of Marine Eurasia/Africa ernannt. HANSA – International Maritime Journal 06 | 2020 11

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