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HANSA 06-2018

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Offshore Senvion war in

Offshore Senvion war in den 1990ern, noch unter dem Namen Repower, einer der ersten Kunden aus der Windindustrie für Fassmer Fassmer setzt (auch) auf Wind In Berne baut Fassmer nicht nur Schiffe, sondern liefert auch Komponenten für die Windindustrie. Mit einer neuen Service-Tochter hat das Unternehmen nun zudem die Wartung und Reparatur von Windkraftanlagen ins Visier genommen. Von Anne-Katrin Wehrmann Die LNG-Fähre »Helgoland«, das neue BSH-Vermessungs- und Forschungsschiff »Atair« oder jüngst drei Einsatzschiffe für die Bundespolizei: Wer in der maritimen Branche über Fassmer spricht, hat zunächst vermutlich die Expertise des Unternehmens beim Bau von Spezialschiffen im Sinn. Dabei spielt der Bereich Windkraft dort mittlerweile eine vergleichbar große Rolle. »Wir sehen uns nicht explizit als Werft«, sagt Holger Fassmer, der das Familienunternehmen zusammen mit seinem Bruder Harald in fünfter Generation leitet. »Unter dem Dach der Gruppe haben sich über die Jahrzehnte unterschiedliche Produktbereiche entwickelt: Schiffbau und Windkraft stehen heute gleichberechtigt nebeneinander.« Deutlich wird das unter anderem an der Zahl der Mitarbeiter am Unternehmenssitz in Berne/Motzen: Von den 540 dort Beschäftigten (insgesamt beschäftigt die Gruppe weltweit 1.200 Mitarbeiter) arbeiten 190 im Schiffbau und knapp 170 in der Windkraft. Am Gesamtumsatz von zuletzt rund 140 Mio. € pro Jahr hat Letztere – je nach aktueller Auftragslage – einen Anteil von 35 bis 50 Mio. €. Als kleinere Standbeine ergänzen die Bereiche Boote und Davits, Anlagenbau sowie Faserverbundtechnik das Produktportfolio. Seine Wurzeln hat das 1850 gegründete Unternehmen im Bootsbau. Über den Bau von Spezialschiffen entwickelte sich mit der Zeit der Produktbereich Faserverbundtechnik, der dann wiederum den Einstieg in die Windkraft ermöglichte. Mitte der 1990er-Jahre gewann Fassmer mit Enercon und Repower (heute Senvion) die ersten beiden Kunden aus der Windindustrie. Inzwischen werden Gondel- und Spinnerverkleidungen in großen Stückzahlen an unterschiedliche Hersteller von Windkraftanlagen geliefert. Darüber hinaus entstehen in Berne Komponenten für Rotorblätter, Ringkanäle für den Turmbau, Gehäuse für Getriebestränge sowie weitere Komponenten aus Glasfaserverbundwerkstoff. Bedarf für Dienstleistungen ist da »In den Anfangszeiten ging es noch ausschließlich um Onshore-Windenergie«, erläutert Holger Fassmer. »Aber als es mit der Offshore-Windenergie losging, sind wir den Weg mitgegangen.« Zwar produziert das Unternehmen zahlenmäßig nach wie vor mehr Komponenten für die Onshore-Branche: Beim Umsatz halten sich die Onshore- und Offshore-Fertigung mittlerweile allerdings die Waage. »Die großen Offshore-Anlagen passen besonders gut zu Fassmer«, meint der Geschäftsführer. »Das ist ein Bereich, der wächst.« Und das, obwohl die heimische Offshore- Windindustrie zuletzt eher mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hat: So haben Anlagenhersteller Adwen und Rotorblattproduzent Powerblades (eine Tochter von Senvion) ihre Werke in Bremerhaven vor einigen Monaten geschlossen. Doch mit Siemens Gamesa zählt Fassmer auch den Marktführer bei der Produktion von Offshore- Anlagen zu seinen Kunden. Insgesamt bleibe man mit Blick auf die weitere Entwicklung der Offshore- Windenergie »vorsichtig optimistisch«, sagt Holger Fassmer – auch wenn es in der Vergangenheit politische Entscheidungen gegeben habe, die problematisch gewesen seien. So hadert die heimische Offshore-Branche nach wie vor mit der Senkung der Ausbauziele und fordert von der neuen Bundesregierung, diese wieder anzuheben. Genau in dieser Phase hat Fassmer kürzlich eine Tochter mit dem Namen Fassmer Industrial Service gegründet, die Servicedienstleistungen 60 HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6

Offshore Fotos: Fassmer Aus dem Bootsbau kommend stehen Schiffbau und Windkraft heute gleichberechtigt nebeneinander wie Inspektion, Wartung und Reparatur an Rotorblättern und Verkleidungsteilen wie Maschinenhäusern und Naben sowie den Korrosionsschutz an Stahlteilen anbietet. »Der Neubau von Windkraftanlagen geht in Deutschland gerade tatsächlich drastisch zurück«, räumt Sebastian Temporale, Geschäftsführer des Tochterunternehmens, ein. »Aber es stehen ja inzwischen schon ganz viele Anlagen, und wir haben festgestellt, dass es beim Service einen Bedarf gibt.« Mit Reparaturen von Laminat- und Gondelschäden sowie Korrosionsschutz an Windkraftanlagen ist die Windkraft- Sparte von Fassmer schon seit einiger Zeit im Service-Bereich aktiv. »Wir haben das bisher allerdings nicht fokussiert betrieben«, erläutert Temporale. Als sich die Anfragen häuften, beschlossen die Verantwortlichen, sich ein Jahr lang intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. »Das haben wir 2017 getan, und es hat so gut geklappt, dass wir jetzt ein eigenes Unternehmen dafür gegründet haben.« Im Offshore-Bereich sehe man definitiv einen großen Markt: »Wir konzentrieren uns aber nicht ausschließlich darauf. Wenn Aufträge aus der Onshore-Windbranche kommen, werden wir die auch annehmen.« Ihnen sei bewusst, dass sie sich in einem schwierigen Marktumfeld bewegten, sagt Holger Fassmer – und dass es auch schon viele Service-Firmen gebe. Fassmer Industrial Service habe allerdings den Vorteil, selbst Komponenten herzustellen und daher zu wissen, wie alles funktioniere. »Und wir haben eine gewisse Flexibilität dadurch, dass wir unsere Mitarbeiter auch in anderen Bereichen einsetzen können, wenn sie zum Beispiel wetterbedingt nicht draußen auf den Anlagen arbeiten können.« »Es braucht eine kritische Masse« Auch in Zukunft will Fassmer nah am Markt bleiben und bei Bedarf kurzfristig mit Neuentwicklungen reagieren. So hat das Unternehmen in der Vergangenheit zum Beispiel schon drei Gangways für Errichterschiffe und rund 200 Helihoist-Plattformen für Betreiber von Offshore-Windparks ausgeliefert, über die Service-Techniker aus dem Helikopter abgeseilt auf die Anlagen gelangen. Eine von außen betrachtet naheliegende Verknüpfung aus Schiffbau und Windenergie hat es bisher noch nicht gegeben: den Bau von Spezialschiffen für die Offshore-Windbranche. »Wir haben uns eine Zeit lang intensiv mit dem Thema Crew Transfer Vessels beschäftigt«, berichtet Holger Fassmer. »Da sind allerdings eher kleinere Schiffe gefragt, und die passen nicht ideal zu unserem Portfolio.« Sofern sich ein Bedarf an größeren Einheiten wie Versorgern zeige, habe man Pläne dafür in der Schublade: »Dann würden wir einsteigen.« Überlegungen, eine eigenes Schiff für die neue Service-Tochter zu bauen, gibt es derzeit nicht. »Es braucht eine kritische Masse, damit sich das rechnet, und so weit sind wir noch nicht«, erläutert Fassmer. »Wir stellen unsere Service-Techniker am Hafen zur Verfügung – den Transport übernehmen die Kunden.« Abstract: Fassmer goes for wind power Fassmer in Berne not only builds ships, but also supplies components for the wind industry. With a recently founded service subsidiary, the family-owned company has now also targeted the maintenance and repair of wind turbines. The initiative comes at a time when the German offshore industry is discussing its future with politics. Regardless of further wind energy expansion, there was already a great demand in the service sector, the managers in charge at Fassmer explain their motivation. Further info: redaktion@hansa-online.de HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6 61

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