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HANSA 06-2018

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INTERNATIONAL MARITIME

INTERNATIONAL MARITIME JOURNAL Finanzierung | Financing KfW IPEX-Bank geht den »grünen« Weg Binnen Jahresfrist ist die KfW IPEX-Bank mit einem Kreditportfolio von 13,9 Mrd. € zur führenden schiffsfinanzierenden Bank in Deutschland aufgestiegen. Künftig will die Tochtergesellschaft der Förderbank KfW verstärkt auf eine »grünere« Schifffahrt setzen, schreibt Krischan Förster INTERNATIONAL MARITIME JOURNAL FORUM SCHIFFFAHRT FINANZIERUNG Holger Apel Foto: KfW Dabei ist die anhaltende Schifffahrtskrise auch an der KfW IPEX-Bank nicht spurlos vorübergegangen. Um 3,2 Mrd. € war das Kreditvolumen im vergangenen Jahr gegenüber 2016 geschrumpft, auch das Neugeschäft hat sich erheblich reduziert. Für den Bereich Maritime Industrie waren es noch 1,6 Mrd. € – ein Drittel weniger als im Vorjahr. Als Gründe für die Abschwächung nannte die Bank seinerzeit die Wertminderung des US-Dollars (–14 %) im Vergleich zu 2016, die verstärkten Aktivitäten alternativer Finanzakteure vor allem in Asien und die Verzögerung eines großen Abschlusses ins Jahr 2018,, . Und dennoch reichte es – quasi ohne eigenes Wachstum – um an den bisherigen Platzhirschen HSH Nordbank (5,5 Mrd. € nach Verkauf) und NordLB (zuletzt 12,1 Mrd. €) vorbeizuziehen. Bei uns gibt es kein Abbau-Szenario«, sagt Holger Apel, Leiter der Sparte »Maritime Industrie«. Die Schiffsfinanzierung bleibe »in jedem Fall« ein wichtiges Geschäftsfeld, wenn auch mit der »gebotenen Vernunft«. »Wir schauen uns genau an, was wir ins Portfolio nehmen«, so Apel. Also Kreuzfahrt ja, Offshore derzeit eher nein. Auch in diesem Jahr sei ein Neugeschäft in der Größenordnung von 2–3 Mrd. € geplant. Künftig will die auf Export- und Projektfinanzierungen ausgerichtete KfW IPEX-Bank mehr denn je nachhaltige Konzepte unterstützen, also Maßnahmen, die der Effizienzsteigerung im Schiffsbetrieb und der Reduzierung von Emissionen dienen. Damit baut sie für ihren Geschäftsbereich eine Strategie weiter aus, die von der KfW-Bankengruppe schon seit längerem zu einer wichtigen Maxime erhoben wurde. Nachhaltigkeit sei geradezu »Teil der DNS« der Förderbank, heißt es seitens der KfW. Der Anteil im Bereich »Green Finance« sei KfW-weit von 31% im Jahr 2010 auf inzwischen 43% gestiegen. In den vergangenen zehn Jahren seien rund 280 Mrd. € in diesen Schwerpunkt geflossen. Damit sei die KfW international führend bei Umwelt- und Klimaschutzfinanzierungen. Mehr noch: »Wir sehen für uns dabei sogar neue Möglichkeiten jenseits des reinen Neubaugeschäfts«, sagt Apel. Eigene Überlegungen hatten schon vor Monaten die Chancen aufgezeigt, die auf der Finanzierungsseite durch die neuen Regularien zum Klimaschutz oder zur Ballastwasserbehandlung entstünden. Nachdem es den Reedern in der Krise »schwer gefallen« sei, Geld in Retrofits oder gar in Neubauten zu investieren, sei jetzt der »point of no return« erreicht, sagt der IPEX-Banker. Für die Nachrüstung der verbleibenden Flotte von weltweit insgesamt rund 50.000 Seeschiffen müsse auf Reederseite erheblich investiert werden, von einem mittleren zweistelligen Milliardenbetrag ist die Rede. »Mit Neubauten allein sind die von der IMO gesetzten Vorgaben nicht zu erfüllen«, sagt Apel. Allein die Installation eines Scrubbers schlage mit rund 5 Mio. € zu Buche, bei einem Ballastwasser-Managementsystem sei es in etwa die Hälfte. Die Bank muss sich laut Apel für Retrofit-Projekte nicht neu erfinden, das vorhandene Finanzierungsinstrumentarium reiche dafür völlig aus. »Aber wir wollen natürlich den Finger heben und auf die vielen Möglichkeiten hinweisen«, so Apel. Auch LNG als Kraftstoff gehöre dazu – mit dem Einsatz in Kreuzfahrtschiffen ist nach Apels Ansicht der Durchbruch geschafft. Andere Zukunftskonzepte könnten auch reine Elektroantriebe und die Brennstoffzelle einschließen. Man sei derzeit in einer Art »evolutionären« Phase mit einigen Parallelentwicklungen, »wir werden am Ende sehen, was sich durchsetzt.« Gerade die Zulieferindustrie werde von der technologischen Entwicklung profitieren, viele der am Markt bereits etablierten Lösungen stammten aus Deutschland und aus anderen europäischen Ländern. Darin liege eine Chance für die deutsche Exportinitiative GeMaX (German Maritime EXport Initiative), zu deren Gründungsmitgliedern die KfW IPEX-Bank zählt. Aber auch die Bank selbst will die Richtung mitbestimmen. Erst jüngst war sie als erste deutsche Bank der Initiative für »Responsible Ship Recycling Standards« beigetreten. Künftig wird eine Klausel zur umweltgerechten Verschrottung von Schiffen Teil der Kreditverträge. Zur Initiative gehörten bislang weltweit acht Mitglieder – die Banken ABN Amro, ING, NIBC, Nordea, DNB, SEB sowie Export Credit Norway. Die RSRS-Initiative strebt die Aufnahme von Klauseln zur Verschrottung nach internationalen Standards (u.a. »Hongkong Convention«) in Kreditverträgen an. Ziel ist es, dass Reeder beim Abwracken ihrer Schiffe auf die Einhaltung von Mindeststandards bei Arbeits- und Umweltschutz achten. Eine Klausel soll zudem die Verpflichtung des Eigners beinhalten, in einem »Grünen Pass« alle gefährlichen Materialien aufzulisten, die im Schiff verbaut sind. Noch sind die Vorgaben nicht verbindlich, sondern müssen mit den Kunden verhandelt werden. Doch der Klimaschutz spiele in der öffentlichen Debatte eine immer größere Rolle. »Ich bin daher zuversichtlich, dass auch in der Schifffahrt ein Umdenken einsetzt«, so Apel. Die Bank will den Prozess mit Überzeugungsarbeit beschleunigen und sucht sich für entsprechende Finanzierungen Partner wie Euler Hermes als Kreditversicherer. »Wir wollen damit signalisieren«, sagt Apel, »dass die KfW IPEX-Bank genau der richtige Ansprechpartner ist, wenn es um nachhaltige Investitionen geht.« 18 HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6

Finanzierung | Financing PORTFOLIO NOCHMALS VERKLEINERT Commerzbank kurz vor Ausstieg aus der Schiffsfinanzierung Die Commerzbank hat im 1. Quartal 2018 ein operatives Ergebnis (vor Steuern) in Höhe von 289 Mio. € (Q1 2017: 330 Mio. €) eingefahren und das Schifffahrtsportfolio auf nur noch 1,3 Mrd. € weiter reduziert. Das Risikovorsorge konnte auf –77 Mio. € verringert werden, nachdem die Bank ihr Schiffsfinanzierungsportfolio im Rahmen der Einführung von IFRS 9 neu bewertet hatte. Die Quote für Problemkredite (NPL-Quote) sank auf 1,0. Die Bilanzsumme betrug 470 Mrd. € (Ende 2017: 453 Mrd. €). Im Segment Asset & Capital Recovery (ACR) einschließlich der verbliebenen Schiffskredite habe sich die Neubewertung des Portfolios nach IRRS 9 positiv ausgewirkt. Das operative Ergebnis des Segments stieg im 1. Quartal 2018 auf 18 Mio. € (Q1 2017: – 33 Mio. €). Die Erträge lagen bei 45 Mio. € (Q1 2017: 115 Mio. €). Beim Risikoergebnis fielen keine Belastungen mehr an, während die Risikovorsorge im 1. Quartal 2017 noch bei 119 Mio. € gelegen hatte. Ein Grund: Die Schiffsfinanzierung fällt bei der Commerzbank kaum noch ins Gewicht – sie kommt dem geplanten Ausstieg mit Riesenschritten immer näher. Das Portfolio wurde während der vergangenen drei Monate nochmals halbiert – von 2,6 Mrd. € (4. Quartal 2017) auf zuletzt nur noch 1,3 Mrd. €. Zu Jahresanfang 2017 lag die Kreditsumme noch bei 4,5 Mrd. €. Zu Hochzeiten 2008 und 2009 waren es dagegen 23 Mrd. €. Die Commerzbank stand damals hinter der HSH Nordbank auf Platz 2 unter den deutschen Schiffsfinanzierern. 2012 hatte der Vorstand den endgültigen Ausstieg beschlossen, seither wird radikal abgebaut. Zuletzt war unter anderem ein Teilportfolio von 300 Mio. $ von der Berenberg Bank (Hamburg) zusammen mit einem Finanzinvestor übernommen worden. Foto: Commerzbank BILANZSUMME REDUZIERT Privatbank Warburg stärkt Schifffahrtsbereich Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg hat ihre Bilanzsumme im vergangenen Jahr deutlich um 1Mrd. € auf 7,4 Mrd. € reduziert. Grund sind die Verkäufe der Bankaktivitäten in der Schweiz und zweier Luxemburger Gesellschaften. Von Abbau kann aber keine Rede sein: Denn andererseits hatte Warburg das Asset Management von der NordLB übernommen. Betreut werden überwiegend institutionelle Kunden – Großanleger wie Versicherungen, Versorgungswerke, Stiftungen oder Family Offices. Die Gesellschaft verwaltet Assets im Wert von insgesamt 34 Mrd. €, die unternehmerische Führung liegt bei der Warburg Bank mit 75,1% der Anteile. Auch der personell verstärkte Schifffahrtsbereich habe sich positiv entwickelt und sei um neue Angebote erweitert worden, heißt es. Der Fokus richtet sich neben konservativen Finanzierungen immer mehr auch auf die Begleitung des operativen Geschäfts der Schifffahrt und damit auf Dienstleistungen für die Branche. So konnten national wie international neue Kunden gewonnen werden. Das nach Schiffstypen diversifizierte Schiffs- und Seefahrtskreditportfolio der Bank belief sich inklusive zugesagter Linien auf 699,3 Mio. € (Vorjahr: 718,9 Mio. €) – ein Rückgang um 2,7% im Volumen. Die Kernkapitalquote der Bank stieg auf 12,7% und konnte damit gegenüber dem Vorjahreswert (11,2%) deutlich verbessert werden. Die Eigenmittel beliefen sich 469,3 Mio. € (2016: 423,7 Mio. €). Damit erfülle M.M. Warburg alle aufsichtsrechtlich gebotenen Kapitalanforderungen, teilte die Privatbank mit. Der Provisionsüberschuss konnte um fast 9% auf 175,1 Mio. € gesteigert werden. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld habe hingegen den Zinsüberschuss des Konzerns erneut gedrückt – von 56,4 Mio. € auf 49,2 Mio. €. Der Konzernjahresüberschuss betrug 10 Mio. € nach 22,2 Mio. € im Vorjahr. Die Nettovorsorge für Risiken im Kreditgeschäft hat sich verglichen mit dem Vorjahr reduziert. Die verbliebene Vorsorge betraf vor allem das Schiffskreditgeschäft. Die im Jahr 1798 gegründete Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO gehört mit ihrem familiären Gesellschafterhintergrund in ihrem 220. Geschäftsjahr zu den wenigen unabhängigen, inhabergeführten Privatbanken in Deutschland. Das Bankhaus wird von den drei Partnern Joachim Olearius (47, Sprecher), Dr. Peter Rentrop-Schmid (49) und Eckhard Fiene (56) geführt. Dr. Henneke Lütgerath (63) wechselte nach mehr als dreißig Jahren in der Bank zum Jahreswechsel in den Aktionärsausschuss. Joachim Olearius: »Die Marke Warburg steht heute weit über Deutschland hinaus für unternehmerisch geprägte Bankdienstleistungen. Wir werden dieses Angebot auch weiterhin aus Deutschland heraus international anbieten.« HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6 19

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