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HANSA 06-2018

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Versicherungen | Insurance Iran: Für Schiffsversicherer tickt die Uhr Steht der Seeverkehr mit dem Iran vor dem Zusammenbruch? Versicherte Seetransporte selbst nicht-sanktionierter Waren dürften schwierig werden, schreibt Michael Hollmann Mit dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomabkommen und der Verschärfung von Sanktionen für Wirtschaftsbeteiligte, die mit dem Iran Handel treiben, drohen erhebliche Komplikationen für die Schifffahrt. Der Iran und iranische Gewässer könnten allein schon deshalb zum Tabu für Reedereien werden, weil Reisen dorthin nicht mehr versicherbar sein könnten, wenn spätestens Anfang November die »sekundären« Sanktionen der USA wieder voll greifen. Diese Strafmaßnahmen für Drittstaaten und nicht-US-amerikanische Unternehmen im Geschäftsverkehr mit dem Iran waren seit dem Iran-Atomabkommen 2015 ausgesetzt. Allerdings hatte Washington an den »primären« Sanktionen, die für Personen und Unternehmen in den USA gelten, festgehalten. So ist auch Dollar-Zahlungsverkehr bei Iran- Geschäften nicht mehr möglich gewesen, was gerade für die Schifffahrt ein großes Problem darstellt. Selbst wenn die übrigen Vertragspartner des Atomabkommens (Deutschland, Frankreich, UK, EU, China, Russlan daran festhalten, könnten die Geschäfte zwischen Dritten und dem Iran weitgehend zum Erliegen kommen. Denn die Mehrzahl der Unternehmen kann es sich nicht erlauben, wegen Verstoßes gegen Sanktionen in den USA auf die schwarze Liste gesetzt zu werden. Zum Knackpunkt dürfte die Verfügbarkeit von Haftpflichtdeckung (P&I) für die Schifffahrt werden. Die großen P&I Clubs der International Group hatten ihr milliardenschweres Rückversicherungsprogramm in den vergangenen Jahren durch Ausschluss von US-Versicherern entsprechend angepasst, um Schäden unter Beteiligung iranischer Interessen abdecken zu können, allerdings nur in anderen Währungen als dem US-Dollar. Die Wiedereinführung der sekundären Sanktionen könnte darauf hinauslaufen, dass der Iran-Handel komplett ausgeschlossen werden muss. Andernfalls bekäme die International Group of P&I Clubs vom Markt keine Kapazität mehr für ihr P&I- Rückversicherungsprogramm. Transporte auf eigene Gefahr in den Iran werden internationale Reedereien wohl nicht riskieren. Mögliche Schäden in iranischen Gewässern – etwa Ölverunreinigung, Kollision oder Versorgung von Verletzten – könnten existenzbedrohend werden. Konkrete Aussagen zur etwaigen Anpassung der P&I-Deckung lehnen sowohl die Clubs als auch ihre Dachorganisation (International Group) gegenwärtig ab. Es sei zu erwarten, dass die Wiedereinführung von Sanktionen »schwerwiegende Auswirkungen auf den Seehandel mit dem Iran und der Versicherung dieses Handels« haben werde, teilten einige Clubs in ähnlich lautenden Schreiben mit. Zusätzliche Brisanz erhielt das Thema Mitte Mai, als die Kanzlei Freehill Hogan & Mahar die P&I Clubs darauf hinwies, dass Schifffahrtsgesellschaften wohl nicht wie zunächst angenommen eine Übergangsfrist bis 6. August bzw. 4. November ausschöpfen dürfen, um alle Irangeschäfte zu beenden. In Gesprächen mit dem US Office of Foreign Asset Control (OFAC) sei den Anwälten beschieden worden, dass bereits alle neuen iran-bezogenen Aktivitäten ab 8. Mai geahndet werden könnten, so die US-Kanzlei. Kurz nach Verbreitung dieser Information durch die P&I Clubs verkündete die zweitgrößte Linienreederei MSC am 16. Mai, dass keine Buchungen mehr für Verladungen aus dem oder in den Iran angenommen werden. Nur für einen kleinen Teil der P&I- Welt wird sich durch Wiedereinführung Abstract: Clock ticking for marine insurers after US exit from Iran deal Ocean shipping in and out of Iran is likely to be faced with non-insurable risks as underwriters are forced to revise terms and conditions to stay in compliance with new US sanctions. New business for shipowners and charterers related to Iran may already constitute a breach since as from early May. Further info: redaktion@hansa-online.de der sekundären Sanktionen nichts ändern. So haben sich kommerzielle Festprämienversicherer wie Hanseatic P&I stets nach den primären Sanktionen der USA gerichtet und sowohl Verkehre mit dem Iran als auch iranische Schiffe vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Grund: Sie bekommen ihre Versicherungskapazität von Lloyd’s-Syndikaten, die sich teils in US-Besitz befinden. P&I Clubs setzen Gewinnserie fort Die Berichtssaison der P&I-Versicherer läuft auf Hochtouren. Bis Redaktionsschluss hatte eine Reihe weiterer Clubs die Ergebnisse für das vergangene Jahr vorgelegt, die sich überwiegend sehr positiv lesen. Marktführer Gard fuhr einen der höchsten Überschüsse seiner Geschichte ein: Der Gewinn nach Steuern für 2017/18 (per 20. Februar) betrug 193 Mio. $ nach 215 Mio. $ im Vorjahr. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 83% auf 91%, liegt damit aber noch im profitablen Bereich. Die Kapitalerträge zogen auf 144 Mio. $ (6,3% Rendite) an. Wettbewerber Skuld steigerte seinen Überschuss um knapp 14% auf 58 Mio. $. Sowohl im technischen Versicherungsgeschäft als auch mit den Kapitalanlagen schnitt Skuld besser als im Vorjahr ab. Dem kleinen Shipowners’ Club gelang es, sein Ergebnis auf 47,7 Mio. $ zu verdreifachen. Zwar lieferte das Underwriting mit 1,8 Mio. $ (Schaden-Kosten- Quote: 99,2%) einen niedrigeren Gewinn ab, dafür stiegen die Kapitalerträge auf 45,9 Mio. $. Einen Einbruch gab es beim Steamship Mutual (mit 158,6 Mio. BRZ einer der größeren Anbieter). Der Überschuss schrumpfte von 70 Mio. $ auf 5,7 Mio. $. Schuld daran seien verstärkte Großschäden gewesen, teilte der Steamship Mutual mit. Die Underwriting-Verluste konnten aber durch Zugewinne in Höhe von 39,3 Mio. $ aus den Investments mehr als kompensiert werden. mph 14 HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6

Versicherungen | Insurance 7 6 5 1 4 Havariechronik 3 2 Datum Ereignis Ort Schiff Typ tdw Flagge Haftpflicht Reise 1 27.04. Brand Nähe Malahayati / Banda Aceh Kuala Mas General Cargo 8.753 Indonesien QBE / British Marine Jakarta / Malahayati 2 04.05. Schleppleine gerissen Cape St. Francis, Südafrika AHT Carrier AHTS 0 Panama k.A. Order Crude Tanker 46.925 k.A. k.A. Gabun / Maputo (Abwrackwerft) 3 06.05. Kollision mit drei kleinen Fähren Santos Santos Express Containerschiff 123.490 Deutschland Britannia Sepetiba / Santos 4 08.05. Brand Südchin. Meer Sinokor Qingdao Containerschiff 11.031 Südkorea Standard Club Gwangyang / Hongkong 5 10.05. Explosion / Raketenangriff 70 sm nördlich Al Hudaydah, Jemen Ince Inebolu Bulker 52.376 Türkei London P&I Novorossiysk / Saleef 6 12.05. Maschinenausfall Ionisches Meer Marietje Nora General Cargo 9.000 Niederlande North P&I Frederikshavn / Ravenna 7 13.05. Maschinenausfall Nähe Punta Sardina Kubilai Khan General Cargo 6.886 Faröer k.A. Las Palmas / Vlissingen Seefrachtgut jetzt online versicherbar In der Warentransportversicherung können Ladungseigner, Spediteure und Makler seit einigen Wochen Deckungen für ihre Transporte elektronisch abschließen. Den Auftakt machte der Bremer Asskuradeur Lampe & Schwartze mit seiner Online- Plattform »Cargosure24«. Kunden erhalten direkt nach Eingabe der Relation und Warenart ein verbindliches Angebot unter Berücksichtigung von Speditionsrabatten und Steuern. Für Anfragen außerhalb des Standardtarifs können Underwriter per Email kontaktiert werden. Im zweiten Schritt gibt der Kunde Adressund Transportdaten ein und kann sein Musterzertifikat prüfen. Für den Versicherungsabschluss ist die Eingabe der IBAN erforderlich, dann stehen Zertifikat und Rechnung zum Download bereit. Führender Versicherer des Produkts, ist die Basler Sachversicherungs AG. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Versicherungskonzern Chubb mit »Chubb Easy Cargo« für Waren-Einzeltransporte.mph +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Telegramm +++ Überarbeitung Seekaskobedingungen: Joint Hull Committee von Lloyd‘s- und Company-Versicherern will Kaskoklauseln (Institute Time Clauses, ITC) von 1983 aktualisieren. Versuche 1995 und 2003 kaum akzeptiert. +++ »Maersk Honam«: Container des Havaristen sollen in KW 22 und 23 in Jebel Ali abgeladen werden. Berger und Dispacheur Richard Hogg Lindley haben Sicherheiten von 42,5% (Salvage) und 11,5% (Havarie-grosse) des Ladungswerts zur Voraussetzung gemacht. +++ Bonität Kriegsversicherer: UK War Risks Association bekommt von Ratingagentur A.M. Best A- für Finanzausstattung und a- für langfristige Emissionen, Ausblick stabil. +++ Kanzleien vereint: Dabelstein & Passehl und Arnecke Sibeth seit 1. Mai unter gemeinsamer Marke Arnecke Sibeth Dabelstein aktiv. +++ Gefahrgut-Restriktionen: »Hazcheck Restrictions Portal« soll Gefahrgutbestimmungen aller Linienreeder, Häfen und Terminals bündeln. Betreiber Exis Technologies hat auch Inhouse-Systeme der Reedereien mitaufgebaut. Leute, Leute +++ Standard Syndicate: Paul Crockford (Ex-Atrium, Ex-Aegis) ist Head of Claims. +++ North P&I: David Richards (Ex-Ince & Co.) ist Deputy Director, Cargo Claims Team. +++ Ryan Specialty Group: Kevin Kempf (Ex-Axa Insurance Company) jetzt VP/Head of Cargo bei Tochter SafeWaters Underwriting Managers. +++ West of England: Greg Franklin (Ex-Aspen Insurance Group) als Underwriter angeworben. HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 6 15

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