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HANSA 03-2022

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SCHIFFFAHRT | SHIPPING

SCHIFFFAHRT | SHIPPING Surveyor-Netzwerk erweist sich als Pfund Remote Surveys? Reisebeschränkungen? In Corona-Zeiten kann der Verein Hanseatischer Transportversicherer seiner Arbeit auf den Schiffen weltweit fast uneingeschränkt nachgehen. Dabei setzt man auf ein bewährtes Modell Der VHT bildet die Schnittstelle von Technik und Versicherungswesen für Schiffe, die im deutschen Markt versichert sind. Weltweite Lockdowns haben die Arbeit des Vereines und der angegliederten VHT Service GmbH aber kaum beeinträchtigen können. »Wir hatten in den ersten beiden Jahren der Coronakrise nicht einmal eine Handvoll Fälle, in denen wir nicht sofort ein Schiff besichtigen konnten. In China ist es möglich, dass tageweise Häfen aufgrund lokal hoher Corona- Inzidenzen geschlossen werden. Dann kann keiner mehr an Bord. Dass aber dadurch gravierende Verzögerungen in der Abwicklung von Schäden entstehen, können wir aus unserer täglichen Arbeit nicht bestätigen«, berichtet Tim den Bruyne- Ludwig, Managing Director des VHT. Während andere Player im Markt, wie beispielsweise Klassifikationsgesellschaften, sich insbesondere seit Ausbruch der Corona-Krise noch stärker mit Alternativen zur Präsenz von Besichtigern an Bord mittels »Remote Survey« auseinandersetzen, ist der VHT für die Begutachtung von Schäden selbst in Zeiten von Lockdowns nicht auf solche Hilfsmittel angewiesen. »Wir müssen nicht um die Welt reisen, wir haben ein weltweites Besichtigernetzwerk. Lokale Partner können ohne oder mit lediglich lokaler Reisetätigkeit als verlängerter Arm des VHT die Schiffe für uns besichtigen«, sagt de Bruyne-Ludwig. Für Großschäden für den deutschen Versicherungsmarkt schickt der VHT eigene Besichtiger. »Das war wegen der verschiedenen Einreisebeschränkungen nicht immer möglich«, sagt Michael Pfeiffer, Geschäftsführer der VHT Service GmbH. Ansonsten profitiere der seit 1797 bestehende VHT von seinem »althergebrachten und heute wieder brandaktuellen Modell« der Havarie-Kommissare. »Unser Netzwerk stammt aus einer Zeit, in der wir noch nicht durch die Welt geflogen sind, in der wir Kommunikationsmittel wie Telefon, Abstract: Global surveyor network invaluable during pandemic Through its global network of surveyors, VHT was fully able to conduct surveys of vessels insured in the German market despite travel restrictions. Interestingly, the pandemic and its huge impact on the »human factor« have not caused specific trends in the occurance of incidents or claims, say VHT experts in a market update. Fax und E-Mail nicht hatten. Damals waren die Havarie-Kommissare die Vertreter der Versicherer, die kommissarisch den Schadensfall begutachtet haben. Jetzt konnten wir wieder auf dieses uralte System zurückgreifen«, so Pfeiffer. Abgesehen vom Besichtigungswesen im Bereich Hull & Machinery und Loss of Hire konnte man im Bereich der Warranty Surveys für die Verladung großer technischer Komponenten auch kommerziell ein bisschen von der Corona-Situation profitieren. So konnten lokale Jobs in Deutschland für Versicherer aus dem europäischen Ausland übernommen werden, die die Besichtigung vorher selbst vorgenommen hätten. »Die haben uns beauftragt, weil sie in der Hochzeit der Corona-Krise nicht nach Deutschland einreisen konnten«, sagt Pfeiffer. Covid macht Schiffe nicht schlechter Auch im zweiten Jahr der Pandemie habe man keine klaren Schadentrends beobachten können, sagt de Bruyne- Ludwig. »Es war nicht so, dass aufgrund mangelnder Wartung während der Corona-Zeit Auffälligkeiten an Maschine oder Schiff gegeben hätte. Die zuletzt hier und da geäußerte Befürchtung in der Branche, dass die psychische Belastung der Besatzungen durch ungewollt verlängerte services for the maritime industry and its insurers Successfully managing claims and avoiding the occurrence of damage or loss 20 HANSA – International Maritime Journal 03 | 2022 vht-online.de

SCHIFFFAHRT | SHIPPING die Reederei es selbst beheben konnte«, sagt de Bruyne-Ludwig. Auch Scrubber- Schäden seien selten, berichtet er. »Die Scrubber-Problematik ist überall gleich, darauf kann man sich einstellen, das ist größtenteils eine Frage der Handhabung. Dass solche Anlagen nicht ausgereift sind oder bestimmte Schäden vorprogrammiert sind, kann man nicht sagen.« © VHT Noch können die Besichtiger nicht feststellen, dass die IMO- 2020-Vorgaben kraftstoffverursachte Schäden mit sich bringen Bordzeiten vermehrt zu Kollisionen oder Wartungsschäden führt, lässt sich schwer feststellen«, sagt er. Gleiches gelte für den »Human Factor« als verstärkte Ursache für Kollisionen. Eine Auswirkung der Reiserestriktionen konnte man allerdings auf die Arbeit von Reedereiinspektoren feststellen, die teilweise die Schiffe ihrer eigenen Flotten nicht besichtigen konnten. Die Einschränkungen galten aber nicht nur für Menschen, im Schadenfall mussten auch für Ersatzteillieferungen längere Lieferzeiten in Kauf genommen werden. »Einen richtigen Super-Gau hat es da aber auch für Loss-of-hire-Versicherer nicht gegeben«, sagt de Bruyne-Ludwig. Nicht nur die Corona-Pandemie ist nun seit zwei Jahren »in Kraft«, auch die »IMO 2020« genannten neuen Kraftstoffvorschriften der internationalen Seeschifffahrtsorganisation sind es. In Erinnerung sind noch die Expertenwarnungen vor Motorschäden durch unbekannte neue Kraftstoffmischungen oder über Korrosionsschäden an Scrubbern. »Die von uns betreute Flotte ist noch gar nicht so weit, dass man im großen Stil umgerüstet hat«, sagt Pfeiffer. »Es kommen jetzt erst die Flotten am deutschen Markt mit Umrüstungen in Fahrt, einige haben auch schon erste LNG-betriebene Schiffe. Wir sind präpariert, können aber noch keine Auffälligkeiten hinsichtlich kraftstoffverursachter Schäden, die es vorher so nicht gab, bestätigen. Die Anpassungen der Technik auf neue Kraftstoffe gehören zum Schiffsbetrieb. Wenn man die wichtigen Parameter einhält, darf man nicht allzu große Probleme erwarten.« Der VHT hatte auch den vielbeachteten LNG-Umbau des Containerschiffs »Wes Amelie« beobachtet, die damals noch beim Verein in der Schadenbetreuung war. »Es mag sein, dass es technische Probleme gab, die aber letztlich nicht zu uns als Versicherer durchgedrungen sind, weil sie unter Franchise geblieben sind oder VHT macht Werften »LNG-ready« Betroffen sind nicht nur Schiffe, denn letztlich bedeutet die maritime Energiewende auch für Werften eine Umstellung. Angesichts der Verbreitung LNGbetriebener Schiffe hat der VHT als neues Angebot die Besichtigung von Werften im Hinblick auf gasbetriebene Schiffe geschaffen. Mit dem Siegel »LNG ready« können Werften gegenüber Kunden und lokalen Behörden demonstrieren, dass sie alle Maßnahmen getroffen und Prozesse angepasst haben, um das Risiko eines größeren Unfalls zu minimieren. »So können wir Werften attestieren, dass Sie sich auf die Bearbeitung von LNG-Schiffen eingestellt haben, dass sie technisch gerüstet sind und auch ihr Personal im Umgang mit LNG-betriebenen Schiffen auf der Werft geschult haben. Hier haben wir einige Werften mit eigenen Sachverständigen zertifiziert. Das hat bereits guten Anklang gefunden«, berichtet Pfeiffer. Im deutschen Markt sei es aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation vieler Werften schwieriger geworden. VHT ist auch dabei, diesen Service im europäischen Ausland zu vermarkten. »Das bezieht sich überwiegend auf Reparaturwerften, da sind wir an den üblichen Hotspots in Gesprächen mit einigen Werften«, sagt de Bruyne-Ludwig. fs HANSA – International Maritime Journal 03 | 2022 21

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