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HANSA 03-2020

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Schiffstechnik | Ship

Schiffstechnik | Ship Technology Bei DNV GL sieht man den Flaschenhals besonders bei den Inspektionen an Bord, die meiste Zeit werde für die Vorbereitung des IHM und den On Board Survey benötigt. »Schwesterschiffe können zwar ›identical by design‹ sein, aber verschiedene Eigner, Manager und Einsatzgebiete haben. Jedes Schiff braucht sein eigenes IHM«, so Aulbert. Verfügt ein Schiff schon über ein Gefahrstoffkataster nach der noch nicht rechtskräftigen Hong Kong Convention der IMO, reicht das nicht, eine Extra-Inspektion ist nötig. Auch ein Green Passport muss in EU- SRR-konformes IHM überführt werden. Gesamtdauer: drei Monate Die Vorbereitung des IHM unterscheidet sich zwischen Neubau und Bestand. Für neue Schiffe stellt die Werft das IHM, die wiederum die Material Declarations (MDs) und die Suppliers Declaration of Conformity (SDOC) von ihren Zulieferern bekommt. Henning Gramann bemerkt aber, dass auf Zuliefererseite die neuen Vorgaben oft unbekannt seien: »Da Lieferanten nicht zwangsläufig Hersteller sind, müssen sich diese bei ihren eigenen Lieferanten die Informationen einholen, das dauert teilweise Wochen und Monate. Wer also bei der IHM-Pflege nur auf interne Prozesse achtet, wird kein funktionierendes System implementieren können.« Eine Anleitung und Begleitung der Lieferanten müsse seitens der Reederei, bzw. des Dienstleisters, auf jedem Fall in den ersten Jahren in Betracht gezogen werden. Bei Schiffen, die bereits in Fahrt sind, muss der Eigner die Liste erstellen: Er kann eigene, zertifizierte HAZMAT-Experten einstellen oder den Auftrag an Externe geben. Bei älteren Schiffen könnte das Auftreiben der Materialdeklarationen schwer sein. »Dafür erlaubt der Gesetzgeber das Sampling. Die Sammlung der Dokumente sollte Vorrang haben, aber wenn das nicht möglich ist, müssen Proben genommen werden«, sagt Aulbert. Diese Experten sammeln die schiffsspezifischen Dokumente und evaluieren diese, anschließend wird ein Plan für die visuelle Überprüfung und die Beprobung erstellt. Danach erfolgen die »visual checks« und das Sampling an Bord, die Proben gehen ins Labor, dann werden die Dokumente für die Zertifizierung vorbereitet. Allein dieser Prozess braucht mindestens vier Wochen. Ein Approval Engineer einer Klassifikationsgesellschaft sichtet den IHM-Report, das dauert etwa zwei Wochen. Dann kann der Onboard-Survey durch die Klasse beantragt werden. Wenn das Equipment an Bord mit dem in der Liste aufgeführten übereinstimmt, gibt es ein Zertifikat. Der ganze Prozess für ein einzelnes Schiff nimmt so bis zu drei Monate in Anspruch. »Reichen Sie also allerspätestens bis zum 31. Oktober 2020 ihre Reports ein«, sagt Beyza Doyduk, Deputy Head of Section Ship Recycling, DNV GL. Sie empfiehlt, das mit einem ohnehin in diesem Jahr anstehenden Annual Survey zu Global IHM & Recycling Services • IHM-Preparation (new & existing ships) • IHM-maintenance • MD & SDoC preparation • Recycling preparations for ships • Supervision of recycling projects • HKC-Compliance for ship recyclers • Trainings & Seminars, ... 56 HANSA – International Maritime Journal 03 | 2020

Schiffstechnik | Ship Technology Am meisten Zeit nehmen die On-board-Surveys in Anspruch © DNV GL kombinieren. Das Zertifikat gilt fünf Jahre, bis ein Renewal Survey fällig wird. Sorgfalt ist Trumpf MENSCH UMWELT MASCHINE WIR ZEIGEN FLAGGE: INNOVATIVE MARITIME LÖSUNGEN FÜR DIE UMWELT... Abgasreinigungstechnik Rußpartikelfilter SCR DeNOx-Systeme Thermomanagement Schalldämpfer Funkenfänger Fischer Abgastechnik GmbH & Co. KG Spatzenweg 17 48282 Emsdetten Telefon: +49 (0) 25 72 / 960 49-49 Fax: +49 (0) 25 72 / 960 49-50 Das IHM muss nach der Zertifizierung dann bis zur Verschrottung eines Schiffs weiter gepflegt werden. Dazu sollte der Schiffseigner nach Empfehlung von DNV GL eine Person bestimmen, die sich um die stetige Aktualisierung kümmert. So jemand muss beispielsweise Material-Deklarationen, die mit Ausrüstungsgegenständen an Bord kommen, sammeln und ablegen. Dafür gibt es bei den Klassifikationsgesellschaften bereits entsprechende Software. Bei DNV GL ist das Datenmanagement-Tool in die Plattform Veracity integriert, hier wird gespeichert, was sich wann wo verändert hat. Stimmen IHM und der tatsächliche Zustand des Schiffs nicht überein, verliert das Zertifikat seine Gültigkeit. Bei einer Hafenstaatkontrolle wird zunächst nur überprüft, ob ein Schiff ein gültiges IHM mitführt. Ist dies nicht der Fall, gibt es deutliche Hinweise auf ein Abweichen von IHM und Schiffszustand oder gibt es an Bord keine Prozedur zur IHM-Pflege, können genauere Inspektionen folgen. Bei der ganzen Eile dürfe man jetzt aber die Qualität nicht außer Acht lassen, mahnt Henning Gramann. Es handle sich um sogenannte »Technical Files« und wenn diese nicht korrekt erstellt würden, könnten hohe Regressforderungen von zukünftigen Eignern der Schiffe gestellt werden. »Vor diesem Hintergrund fallen Preisunterschiede bei der Erstellung von IHMs kaum ins Gewicht, die Qualität zählt. Hier ist neben der Auswahl eines kompetenten IHM-Experten auch entscheidend, welches Labor dieser verwendet.« Die Labore müssten nicht nur gemäß der Norm zum Qualitätsmanagement ISO 17025 akkreditiert sein, sondern zudem auch die richtigen Analyseverfahren anbieten. »Wiederholt haben wir von Laboren aus Europa und Asien Angebote erhalten, die trotz HKC-Zertifizierung einer Europäischen Klassifikationsgesellschaft, die das Thema IHM aktiv bewirbt, nicht die erforderlichen Kombinationen anbieten. Dies ist hochgradig irreführend und risikobehaftet, da das Strafmaß für Verstöße gegen die IHM- Vorgaben der EU in Frankreich mit bis zu einem Jahr Gefängnis oder 100.000 € geahndet werden können. In Großbritannien droht eine unbestimmte Geldsumme und sogar zwei Jahre Gefängnis«, so Gramann. n E-Mail: Internet: ÜBER info@fischer-at.de www.fischer-at.de HANSA – International Maritime Journal 03 | 2020 57

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