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HANSA 03-2017

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Häfen | Ports Finnen

Häfen | Ports Finnen wollen mutig vorangehen Im Angesicht der Krise rücken die Akteure der maritimen Industrie in Finnland enger zusammen, um technisch weiter ganz vorne mitzuspielen. So ergeben sich interessante Formen der Kooperation und Geschäftsmodelle. Von Felix Selzer Die maritime Industrie sei einer der Grundpfeiler der finnischen Wirtschaft, erklärt Petri Peltonen, Unterstaatssekretär im finnischen Arbeits- und Wirtschaftsministerium. Während Holzprodukte immer noch einen Großteil der Exporte ausmachen, wird die Engineering- Sparte immer wichtiger, vor allem die Bereiche Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) und Schiffau. Wie andere europäische Schiffaunationen sehen sich die Finnen einem immer härteren internationalen Wettbewerb ausgesetzt. »Wir haben uns spezialisiert, um zu überleben«, erklärt Peltonen. Knowhow reiche heute nicht mehr aus, um zu bestehen. Man müsse außerdem sein Zuliefernetzwerk bestmöglich zu nutzen wissen, so der Unterstaatssekretär. Um den Technologiesektor zu stärken, pumpt die finnische Innovationsförderungsagentur TEKES viel Geld in Projekte und Initiativen aller Art, die auch der maritimen Wirtschaft einen Vorsprung sichern sollen. Das Spektrum reicht von der Unterstützung von Startups aus der ICT-Branche über Initiativen zur Autonomen Schifffahrt bis zu Fördergeldern für ein Programm zur nachhaltigen Produktion beim Schiffauer Meyer Turku. Man macht sich Gedanken über Finanzierungshilfen für den Schiffau, für den diese immer nötiger werden. Glaubt man dem Politiker, steht die maritime Industrie sehr weit oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Angesichts der Bedeutung der Branche ist das aber kein Wunder. »Unser Bruttoinlandsprodukt liegt bei etwas über 200 Mrd. €. Wenn Meyer Turku ein großes Kreuzfahrtschiff abliefert, trägt das in dem Jahr 1 Mrd. € bei«, sagt Peltonen, »big business in a small country«. Was die finnischen Exportgarantien angehe, zuletzt über 27 Mrd. €, sei der Schiffau der bei weitem größte Einzelsektor. Das sei zwar ähnlich wie in anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich oder Italien, Peltonen weist aber auf den Größenunterschied zu Finnland hin. Merja Salmi-Lindgren, CEO des Branchenverbands Finnish Marine Industries, beziffert die Zahl der maritimen Unternehmen in Finnland auf 3.000, mit einem Umsatz von rund 12,7 Mrd. € und 48.400 Beschäftigten. 20% der Unternehmen sind zumindest teilweise in ausländischer Hand, gleichzeitig beträgt deren Anteil am Gesamtumsatz laut Salmi-Lindgren rund 70%. Für die Regierung sei das überhaupt kein Problem, erklärt Peltonen, auch nicht, wenn es um Fördergelder gehe – abgesehen vom Rüstungsbereich. Auch Unternehmen, die zu 100% in ausländischem Besitz seien, könnten die gleiche Unterstützung erhalten wie finnische. »Nehmen Sie den Schiffau, da kommen 80% sowieso von Subunternehmern und Zulieferern aus Finnland«, so der Politiker, der den Kauf der Werft in Turku durch die Papenburger Meyer Werft als »Boost« für den finnischen Schiffau und die gesamte Industrie bezeichnet. Die finnische Wirtschaft hatte bis zur Finanzkrise stärker als viele andere von der Globalisierung profitiert. Wegen der großen Abhängigkeit von Exporten wurde das Land jedoch 2008/2009 auch besonders hart getroffen, das Bruttoinlandsprodukts (BIP) sank um 8,3%, stärker als in allen anderen OECD-Ländern. Die Schrumpfung des einstigen Mobiltelefonmarktführers Nokia war ein schwerer Schlag. Und während die Digitalisierung heute zwar als die neue große Chance des Landes im internationa- Abstract: The Fins want to lead the way In the face of the crisis and growing global competition the maritime industry in Finland closes ranks. The aim is to stay on top of the industry in terms of technology. This way, new business opportunities and cooperation models arise. The government presents itself as a strong supporter, pumping money in many projects from various areas via its innovation funding agency TEKES, be it infrastructure, technology or digitalization. The latter is a special focus area for the Fins. After the shrinking of the communications and cell phone branches they see a new chance in technological leadership in digitalization of industries and services. Increased automation and autonomy in shipping is being seen as the future. Thus, Finland will soon open the first designated areas to testing of new systems. Further information: redaktion@hansa-online.de 86 HANSA International Maritime Journal – 154. Jahrgang – 2017 – Nr. 3

Häfen | Ports len Wettbewerb betrachtet wird, triff die Umstellung von Papier auf elektronische Datenübertragung den Holzexporteur Finnland. Bis heute haben sich die Finnen nicht völlig erholt, die Wachstumsraten sind weiterhin niedrig. Nicht zuletzt ist die derzeitige wirtschaftliche Schwäche des Nachbarn Russland ein Faktor. Das Gesamtbild lässt sich auch auf die maritime Technologiebranche übertragen. Die Finnen liefern Technik für russische Eisbrecher oder japanische Neubauten. »90% der schiffaubezogenen Produktion geht in den Export«, erklärt Ulla Lainio, Leading Advisor bei der Exportinitiative Finpro. Als Beispiel nennt sie den Bau von Eisbrechern und Polarforschungsschiffen: 50% würden in Finnland entworfen, 60% hier gebaut und der Anteil finnischer Produkte auf anderswo gebauten Schiffen dieser Art betrage für gewöhnlich mehr als 50%. Weitere Bereiche, in denen finnische Zulieferer eine große Rolle spielten, seien Ausrüstung von Luxuskreuzfahrtschiffen, Küchen, Klima- und Lüftungstechnik oder Aufzüge. Einen Vorteil sieht Salmi-Lindgren in der relativ breiten Aufstellung des finnischen Clusters. Das helfe jetzt, da die Offshore-Industrie am Boden liege. »Der Kreuzfahrtsektor hilft uns, das Gleichgewicht zu halten«, sagt sie. Um nun im Wettbewerb mit anderen Hightech-Nationen zu bestehen, setzen die Finnen auf technologische Vorreiterschaft. Mika Lautanala, Direktor der Innovationsförderungsagentur TEKES, mit einem Jahresbudget von 440 Mio. $, richtet dabei ein besonderes Augenmerk auf die Themen Digitalisierung und Automation. Dabei sollen nicht nur etablierte Anbieter unterstützt werden, vielmehr will man kleine Unternehmen, die wachsen wollen, ansprechen. »Wir schaffen so ein attraktives Umfeld für Innovationen. Finnland ist zwar ein kleines Land, das selbst nur einen kleinen Binnenmarkt bietet, dafür machen wir es aber Gründern sehr leicht«, sagt Lautanala. Der Staat hat seine Unternehmenssteuern in den letzten Jahren immer weiter gesenkt, mittlerweile stehen sie bei 20%. Neben den Anstrengungen von Regierungsseite, ein Innovationsklima zu schaffen und den Standort zu sichern, vermitteln Organisationen wie Turku Science Park zwischen Industrie und Hochschulen, die Städte mit maritimen Technologieunternehmen werben um Studenten und richten entsprechende Studiengänge ein, um den Nachwuchs zu sichern. Und auch die Industrie selbst sieht das finnische maritime Cluster nicht nur als zufällige geografische Häufung von Unternehmen einer Branche. Man möchte Kapital daraus schlagen und begreift die Konkurrenz in der Nachbarschaft als Chance. So haben sich 69 Unternehmen in der Organisation DIMECC zusammengetan, um die Zukunft ihrer Branche zu sichern. Das Kürzel steht für Digital, Internet, Materials & Engineering Co-Creation. Der Gedanke, der hier Unternehmen wie ABB, Cargotec, Ericsson, Meyer Turku, Rolls-Royce, Tieto oder Wärtsilä und andere verbindet: Für sich alleine kann keiner die technologischen Herausforderungen der Zukunft zu meistern, allen voran stärkere Automation und unbemannte Schifffahrt. DIMECC soll also ein »co-creation ecosystem« sein, in dem führende Technologiefirmen, Forschungseinrichtungen und Branchenverbände zusam- Quelle: ABB HANSA International Maritime Journal – 154. Jahrgang – 2017 – Nr. 3 87

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