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HANSA 03-2017

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Finanzierung | Financing

Finanzierung | Financing STEIGENDE RISIKOVORSORGE Moody’s warnt Banken Die Rating-Agentur Moody’s sieht bei den deutschen Schiffsbanken auch künftig einen erheblichen Bedarf an Wertberichtigungen und Risikovorsorge. Grund sei der – gegenüber den Wettbewerbern in Asien – höhere Anteil an älterer und weniger effzienter Tonnage in den Portfolios. Moody’s verweist in der Analyse unter anderem auf die Commerzbank, die ihre Risikovorsorge von 311 Mio. € (2016) auf 559 Mio. € erhöhen musste, um die Deckungsquote (Besicherung) bei 65% zu halten. In diesem Jahr sind zusätzlich 450 bis 600 Mio. € eingeplant. Damit seien bis zu 13% des verbliebenen Portfolios von 4,7 Mrd. € als belastet einzustufen. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Deutschen Bank, die 2016 ihre Risikovorsorge für die Schifffahrt von 124 Mio. € im Jahr zuvor auf 346 Mio. € fast verdreifachen musste (64% Deckungsquote). Die hsh portfoliomanagement AöR musste ungeplant 341 Mio. € an Wertberichtigungen für das zuvor bereits stark abgewertete Portfolio der HSH Nordbank vornehmen. Moody’s bewertet die Zahlen als Alarmzeichen für alle Banken, die hohe Forderungen an die Schifffahrt und damit ein hohes Ausfallrisiko hätten. Das anhaltende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, niedrige Ratenerlöse und die Konsolidierung in der Branche belasteten vor allem bei kleineren Reedereien den operativen Cash-Flow und ihre Fähigkeit, den Kapitaldienst zu leisten. Dazu komme der Verfall der Schiffswerte als Sicherheit für die Kredite. Daher könnten die Banken gezwungen sein, ihre Rückstellungen weiter zu erhöhen, was ihre Gewinn- und Verlustrechnung schwer belasten würde. Auffällig sei, dass die Schiffe in den Portfolios deutscher Banken im Vergleich zu Wettbewerbern in Asien im Durchschnitt älter und weniger effzient seien. Dies werde in Zeiten steigender Betriebskosten durch steigende Ölpreise zunehmend zu einem Problem, warnt Moody’s. M Abstract: Rising risks for German lenders Berenberg trotzt der Krise In einem spektakulären Deal hat die Privatbank Berenberg ein Schiffsportfolio im Wwert von 300 Mio. $ von der Royal Bank of Scotland übernommen. Von Krischan Förster Erste Verhandlungen mit der Royal Bank of Scotland, die sich gänzlich aus der Schiffsfinanzierung zurückziehen will, waren im vergangenen Herbst noch ergebnislos geendet. In einer zweiten Runde wurden Orix und Berenberg Teilportfolien angeboten: Schiffskredite mit einem Volumen von rund 600 Mio. $ wechselten den Besitzer. Berenberg hat ein Portfolio von rund 300 Mio. $ übernommen, das größtenteils in seinen Kreditfonds »Berenberg Alternative Assets Fund« geflossen ist, in dem ein großer deutscher institutioneller Anleger maßgeblich investiert ist. »Dabei handelt es sich ausschließlich um ›performing loans‹ mit interessanten Kunden«, betont Philipp Wünschmann, Leiter der Schifffahrtsabteilung bei Berenberg, gegenüber der HANSA. Die schottische Bank galt Jahrzehnte lang als einer der Marktführer in Griechenland, insofern sei die Gelegenheit günstig gewesen, da auch die Hamburger dort einen ihrer Kernmärkte neben Deutschland und Zypern sehen. Die übernommene Flotte bestehe fast ausschließlich aus Bulkern und Tankern von vorzugsweise griechischen Reedern, so Wünschmann. Ein zweites Teilportfolio aus dem Bestand der RBS hat zeitgleich das japanische Finanzunternehmen Orix erworben – und anschließend ins Asset Management bei Berenberg gegeben. »Das ist für uns ein interessantes Geschäft«, sagt Wünschmann. Wir bauen damit unser Dienstleistungsgeschäft für Kunden und instituti- Moody’s says German shipping lenders are more exposed to less effcient older ships compared with Asian rivals, as provisions are likely to increase. It indicated that those banks with big shipping portfolios will need »significant« additional provisions in the future. Bucking this trend, Hamburg-based private bank Berenberg acquired a portfolio of 300 mill. $ on behalf of a credit fund and has become the asset manager of a further 289 mill. $ acquired by Orix. »We are growing,« says Be renberg’s Head of Shipping, Philipp Wünschmann. KfW Ipex stresses a similar opinion. redaktion@hansa-online.de Philipp Wünschmann onelle Investoren weiter aus, ohne jedoch dafür die eigene Bilanz zu belasten«. Im deutschen, aber auch europäischen Schiffsfinanzierungsmarkt herrscht derzeit große Unruhe. Nach der Commerzbank sind nun auch andere Häuser wie die HSH Nordbank, die NordLB oder auch die Banken in Skandinavien gezwungen, ihre Portfolios zum Teil drastisch zu verkleinern. Die Bremer Landesbank hat ihre Eigenständigkeit bereits verloren, nachdem sie ihren Kapitalbedarf aus eigener Kraft nicht mehr decken konnte. Bei Berenberg stehen die Zeichen dagegen auf Wachstum. Laut Wünschmann sieht sich das privat geführte Geldinstitut auch künftig eher als Dienstleister beim »commercial banking« (Zahlungsverkehr, Devisen, Anlageberatung) und als Berater für internationale Schifffahrtskunden. Rund 450 Adressen sind es momentan. Dazu kommt verstärkt das Investmentbanking. Der Berenberg-Fonds habe »noch Platz« für weiteres Geschäft. Man beobachte den Markt auf der Suche nach weiteren zum Verkauf stehenden Portfolios aufmerksam. Denn das Interesse auf Investorenseite sei vorhanden, sogar wieder zunehmend. »Aber es muss für alle Seiten passen«, sagt Wünschmann. Im Fokus stehen dabei ausschließlich »performing loans«. Eher nachrangig ist angesichts eines eher kleinen eigenen Portfolios das Kreditgeschäft. »Aber für attraktive Geschäfte, bei denen das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken stimmt, sind wir immer offen«, sagt Wünschmann. Es werde daher auch künftig »selektives« und »opportunistisches« Neugeschäft geben, vorrangig mit Bestandskunden. Im Geschäftsjahr 2016 hatte Deutschlands älteste Privatbank, mit 161 Mio. € das höchste Ergebnis in der 427-jährigen Geschichte erzielt. Der Jahresüberschuss legte dabei um 56% zu. Das heute verwaltete Vermögen von 40,7 Mrd. € (Vorjahr: 40,1 Mrd.) soll in den kommenden Jahren deutlich steigen, kündigte die Bank an. M Foto: Berenberg 30 HANSA International Maritime Journal – 154. Jahrgang – 2017 – Nr. 3

Finanzierung | Financing Gegen den Strom Die KfW Ipex hat 2016 neue Kredite in Höhe von 2,4 Mrd. € im Bereich »Maritime Industrie« vergeben. Von einem Rückzug ist nicht die Rede. Von Krischan Förster Gemessen an den massiven Abbau-Szenarien bei vielen deutschen Schiffsbanken erscheint die KfW Ipex-Bank fast schon als Fels in der Brandung. Unter den Top 5 rangierte die bundeseigene Bank immer schon, mittlerweile steht sie mit ihrem Schifffahrts-Portfolio in Höhe von 16,2 Mrd. € auf Rang 3. Die Commerzbank (noch 4,7 Mrd. €) ist längst überholt. Sollten die HSH Nordbank (noch 18 Mrd. €) und die NordLB (derzeit 17,9 Mrd. €) ihre Kreditsummen unter dem Druck der Bankenaufsicht und des wachsenden Altlasten- Risikos wie geplant eindampfen, könnte sie schon bald an die Spitze rücken. »Bei uns gibt es kein Abbau-Szenario«, betont Holger Apel, der im Sommer 2016 im Zuge einer internen Rotation Carsten Wiebers als Leiter der Sparte »Maritime Industrien« abgelöst hatte. Die Schiffsfinanzierung bleibe »in jedem Fall« ein wichtiges Geschäftsfeld, wenn auch mit der »gebotenen Vernunft«. Gerade in Deutschland sei die Krise natürlich deutlich spürbar, das sehe aber aus Sicht ausländischer Banken anders aus, sagt Apel. Die Schiffsfinanzierung sei nicht tot, sie wandle sich. Es gebe durchaus andere Möglichkeiten, Leasing aus China zum Beispiel oder auch eine Rückkehr von Private-Equity-Investoren. Aber auch die KfW Ipex-Bank werde weiter finanzieren, so Apel. Als ein zukunftsträchtiges Segment mit soliden Fundamentaldaten gilt der Kreuzfahrtsektor, Holger Apel Foto: KfW der heute schon die Hälfte des Portfolios ausmache. »Dort sehen wir auch künftig eine stabile Nachfrage und noch ausreichend Potenzial.« Auch bei Passagier- oder RoRo-Fähren sehe die Bank eine starke Nachfrage. In anderen Segmenten wie in der Containerschifffahrt oder im Offshore-Bereich gebe es dagegen strukturelle Probleme und Charterraten, die stark »südwärts« zeigten. Abgesehen von einzelnen Projekten mit guten Adressen und Geschäftsmodellen »halten wir uns da eher zurück und sind derzeit auch gar nicht gefordert«. Es gebe keine spezifischen Zielvorgaben für die Größe des Portfolios oder das Volumen des Neugeschäfts. »Wir werden weiter eine aktive Rolle im Wettbewerb spielen, dann bekommen wir automatisch Aufträge«, sagt Apel. Jüngst hatte die Bank in einer Studie auf die Chancen hingewiesen, die mit neuen Regularien zu CO2-Emissionen oder Ballastwasser entstünden. »Diese sorgen nicht nur für Kostendruck, sondern können auch neue Geschäftschancen gerade für kleinere und mittlere Unternehmen und ihre Kreditgeber eröffnen«, hieß es. Demnach könnten durchschnittlich 13% aller Bulker, Containerschiffe und Öltanker in den Jahren 2017 bis 2020 verschrottet werden. Für die Nachrüstung der verbleibenden Flotte müssten 40–70 Mrd. $ investiert werden. »Eine gute Nachricht für alles Ausrüstungshersteller«, heißt es bei der KfW Ipex-Bank. M Schiffskredite belasten Commerzbank-Bilanz Die Commerzbank hat 2016 ein operatives Ergebnis von 1,4 Mrd. € erzielt, 0,5 Mrd. € weniger als im Vorjahr. Zudem belasten Schiffskredite weiter die Bilanz. Die Risikovorsorge lag bei 900 Mio. € und damit um rund 200 Mio. € höher als 2015. Dieser Anstieg sei wegen hoher Wertberichtigungen für Schiffsfinanzierungen erfolgt. Im Bereich Ship Finance seien von 2008 bis Ende 2016 bereits 19 Mrd. € aus den Büchern genommen worden, geblieben sind laut Commerzbank nur noch 4,7 Mrd. €. Davon entfielen 3,5 Mrd. € auf das »performing portfolio«, der Rest gilt als gefährdet. Bis spätestens 2020 sollen die Summe weitgehend auf Null gesenkt werden. M Pareto Bank fährt Schiffskredite zurück Die norwegische Pareto Bank fährt ihr Engagement in der Schiffs- und Offshore-Finanzierung deutlich zurück. Der Anteil am Gesamtportfolio soll von zuletzt 25% auf 15% verringert werden. Das gab die Bank bei der Vorlage der Bilanzzahlen für das 4. Quartal 2016 bekannt. Demnach sollen einzelne Segmente künftig nicht mehr als 25% der Kredite ausmachen, um das Risiko zu reduzieren. Der Schwerpunkt werde auf dem norwegischen Markt, »qualitativ guten« Charter-Kunden und attraktiver Gebrauchttonnage liegen. Beim Neugeschäft werde eine Eigenkapitalquote von 45% gefordert, zuvor hatten 30% genügt. Pareto hält ein eher kleines Kreditportfolio im Schifffahrts- und Offshore-Sektor in Höhe von 157 Mio. €. Das entspricht 12% am Gesamtvolumen der Bank gegenüber 15% im Vorjahr. Für dieses Jahr ist Neugeschäft von 22 Mio. € geplant. M CC Continental Chartering SHIPBROKERS CHARTERING | SALES & PURCHASE | ANALYSIS & CONSULTANCY | VESSEL VALUATION CONTINENTAL CHARTERING GMBH & CO. KG Ballindamm 17 | 20095 Hamburg | Germany | Tel + 49 (40) 32 33 70 70 | Fax + 49 (40) 32 33 70 79 | office@continental-chartering.de www.continental-chartering.de HANSA International Maritime Journal – 154. Jahrgang – 2017 – Nr. 3 31

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