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HANSA 02-2022

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SCHIFFSTECHNIK | SHIP

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY »Es ist eine Minute vor zwölf« Bis vor ein paar Jahren waren Dieselmotoren das Kernprodukt von MAN Energy Solutions. Heute durchläuft das Unternehmen eine Transformation hin zu einem Anbieter von CO2-neutralen Antriebslösungen. Die HANSA sprach darüber mit CEO Uwe Lauber 2018 hat MAN die Strategie bekannt gegeben, sich von einem reinen Komponentenhersteller hin zum Anbieter von nachhaltigen Energielösungen wandeln zu wollen. Bis 2030 sollen diese 50 % ihres Uwe Lauber, Vorstandsvorsitzender, MAN Energy Solutions Geschäfts ausmachen. Wie schreitet die Strategie voran? Uwe Lauber: Unsere Transformation wurde 2018 mit der Umbenennung in MAN Energy Solutions erstmals sichtbar. © MAN Energy Solutions Seither setzt sich unser Wandel zum Anbieter von CO2-neutralen Lösungen fort. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben tolle Erfolge erzielt und schon ein großes Stück des Weges geschafft. Aktuell erzielen wir etwa 15-20 % unseres Umsatzes mit diesen neuen Lösungen. Das heißt, Sie sind noch mittendrin in der Transformation? Lauber: Ja, aber wir haben bereits einige gute »Proof points«. Ein Beispiel ist das Containerschiff »ElbBlue«. An Bord dieses Feeders konnten wir erfolgreich demonstrieren, dass die Umrüstung eines Schwerölmotors erst auf konventionelles und jetzt auf synthetisches Erdgas funktioniert. Damit haben wir eine Dekarbonisierungslösung für das Container- Schiffssegment aufgezeigt. Für einige Nischen im Schiffsmarkt mögen auch batterie-elektrische Antriebe passen, aber für die großen Schiffe dieser Welt muss es in Richtung synthetische Kraftstoffe gehen. Es gibt eine Vielzahl an synthetischen Kraftstoffen, welcher macht am Ende das Rennen? Lauber: Wenn ich eine Kristallkugel hätte, wäre ich froh. Wir nähern uns dieser Frage gemeinsam mit unseren Partnern. Das heißt, wir suchen uns Partner, mit denen wir die maritime Energiewende gemein- 36 HANSA – International Maritime Journal 02 | 2022

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY sam vorantreiben. Ein solcher Partner ist zum Beispiel Maersk. Die Reederei ist ein »Frontrunner«, wenn es um Methanol geht und will bis 2024 zwölf Schiffe mit »grünem« Methanol betreiben. Eine Weltpremiere. Andere, wie das Rohstoffhandelsunternehmen Trafigura, gehen mit uns in Richtung Ammoniak. In NH 3 ist beispielsweise gar kein Kohlenstoff-Atom drin. Unter dem Aspekt der CO2-Neutralität betrachtet, ist dieser Kraftstoff das Nonplusultra. Er hat aber auch Nachteile, weil er giftig und nur unter Druck zu speichern ist. So hat jeder Kraftstoff sein Für und Wider. Aber klar ist: Synthetisches Erdgas, Methanol und Ammoniak sind die drei Treibstoff-Kandidaten der Zukunft. In welchen Mengen sie wo gebraucht werden, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Fest steht aber jetzt schon, dass die Basis dafür Wasserstoff sein wird. Anfang 2021 hat MAN den Hersteller von Elektrolyseuren, H-TEC Systems, übernommen © Markus Zucker Hat MAN Energy Solutions deshalb den Wassersoff-Experten H-TEC Systems übernommen? Lauber: Die hundertprozentige Übernahme von H-TEC Systems in 2021 ist ein gutes Beispiel für unsere Transformation: Wir investieren in ein Start-Up, das Elektrolyse-Einheiten produziert, um aus erneuerbaren Energiequellen Wasserstoff herzustellen. Damit haben wir einen komplett neuen Geschäftszweig eröffnet, den wir bis 2030 zu einem Unternehmen mit einem hohen dreistelligen Millionen- Umsatz aufbauen wollen. Das ist wichtig für den Markt, denn die Schifffahrtsindustrie braucht einen Hochlauf der alternativen Kraftstoffe. Aber ist die Herstellung von Wasserstoff nicht zu teuer? Lauber: Die Frage muss lauten: Gibt es überhaupt Alternativen und wie teuer sind die? Unser Credo lautet: »Wasserstoff schwimmt und fliegt«. In Schifffahrt und der Luftfahrt ist der Einsatz von Wasserstoff alternativlos. Natürlich ist grüner Wasserstoff sehr teuer, und es gibt einen Wirkungsgradabfall. Aber Klimakata - strophen sind viel teurer. Und wenn ich Wasserstoff in den Volumina produzieren kann, wie sie die Luftfahrt und die Schifffahrt brauchen, dann erziele ich auch Skaleneffekte. Das ist ein Modell für die Zukunft, davon bin ich überzeugt, und der Schlüssel der maritimen Energiewende. Wird MAN in Zukunft auch ein Wasserstoffhersteller sein? Lauber: Nein, wir wollen keinen Wasserstoff herstellen oder verkaufen, sondern Elektrolyseure für kleine bis große Wasserstofffabriken liefern. Hier in Deutschland? Lauber: Grüner Wasserstoff ist ein globales Thema. Diese Wasserstofffabriken werden dort entstehen, wo grüner Strom zu sehr geringen Entstehungskosten verfügbar ist. In Chile zum Beispiel, wo Windstrom für einen Cent die Kilowattstunde gewonnen werden kann. Zum Vergleich, hier in Norddeutschland sind es vier Cent. Dann kommt die EEG- Umlage mit sieben Cent dazu. Das heißt, wenn ich es vergleiche, sind es elf Cent gegenüber einem Cent. Das ist schon ein Pfund. Darum müssen wir mit der Politik daran arbeiten, die EEG-Umlage so zu gestalten, dass der Wasserstoffhochlauf auch in Deutschland starten kann. Verlängern Sie die Lebensdauer von Motoren, Hydraulik- und Schmiersystemen schnell, effizient und kostenoptimal Jetzt persönlich beraten lassen: lessCO2@cjc.de | +49 (0)151 12 88 38 05 HANSA – International Maritime Journal 02 | 2022 37

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