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HANSA 02-2022

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SCHIFFFAHRT | SHIPPING zu bringen. Die Regierung möchte nicht, dass mutmaßliche Piraten nach Dänemark kommen, aber in einem der vier Fälle gab es leider keine andere Möglichkeit.« In diesem Fall soll eine Strafverfolgung durchgeführt werden: »Dies wird wahrscheinlich bedeuten, dass er in Dänemark wegen versuchten Totschlags an dänischen Soldaten strafrechtlich verfolgt werden wird«, so der Minister weiter. Haftstrafen in Nigeria und Togo In Nigeria ist man indes in einem speziellen Fall schon weiter. Sind das die ersten Effekte des vollmundig angekündigten Projekts »Deep Blue« der nigerianischen Regierung (HANSA 07/21), fragten sich Beobachter? Zehn Piraten sind im Sommer in Lagos zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Bundesgerichtshof verurteilte die Männer zu jeweils zwölf Jahren Haft, weil sie im Mai 2020 in internationalen Gewässern vor der Küste der Elfenbeinküste das chinesische Fischereischiff »Hai Lu Feng II« gekapert hatten. Als Begründung wurde unter anderem angeführt, dass der Angriff »das Wohlergehen aller Nigerianer und das Ansehen des Landes« beeinträchtige. Auch in Togo wurden Medienberichten zufolge einige Männer wegen Piraterie verurteilt – einer zu 15 Jahren, sechs weitere zu je zwölf Jahren Gefängnis. Die Schifffahrtsorganisation Bimco, die hauptsächlich von Reedereien getragen Bimco-CEO David Loosley wird, sieht in dem Fall der von Dänemark freigelassenen Piraten einen Präzedenzfall: Es seien die Staaten der Region, die »Verantwortung übernehmen und die Strafverfolgung verstärken« müssten. »Die Präsenz internationaler Marinen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber die Schaffung einer nachhaltigen Sicherheitslage im Golf von Guinea kann nicht ohne die volle Unterstützung der Region erfolgen. Verdächtige Piraten vor Gericht zu stellen, gelingt am besten den regionalen Küstenstaaten«, sagte Bimco- CEO David Loosley. Mehr Angriffe vor Singapur 2021 wurden dem Piraterie-Meldezentrum 35 Übergriffe auf Schiffe in der Straße von Singapur gemeldet, ein Anstieg um 75% der attackierten Schiffe kommen aus drei Segmenten © Bimco 50 % und die höchste Zahl an gemeldeten Übergriffen seit 1992. Bei 33 der 35 Vorfälle wurden Schiffe geentert und obwohl es sich zumeist um Gelegenheitsdiebstähle handelte, wurden zwei Besatzungsmitglieder verletzt. Die anhaltenden Bemühungen der indonesischen Seepolizei werden »gewürdigt« als Beitrag, dass die Zahl der Vorfälle im indonesischen Archipel rückläufig ist. 2021 wurden nur noch neun Vorfälle gemeldet, 2020 waren es noch 26. Von den gemeldeten Vorfällen ereigneten sich vier vor Jakarta. Todesfälle in der Karibik Südamerikanische Häfen in Brasilien, Kolumbien, Ecuador und Peru sowie Häfen in Mexiko und Haiti sind weiterhin von bewaffneten Raubüberfällen auf See betroffen. Im Dezember enterten vier als Fischer getarnte und mit Pistolen und Messern bewaffnete Personen in Port au Prince, Haiti, einen Massengutfrachter und bedrohten die Besatzung. Die vor Ort eingesetzten bewaffneten Wachleute lieferten sich einen Schusswechsel, bei dem zwei der Täter getötet wurden. Insgesamt wurden 2021 36 Vorfälle gemeldet, verglichen mit 30 im Jahr 2020, wobei vier Geiseln genommen wurden. 31 Schiffe wurden geentert, die meisten davon vor Anker. Die Zahlen für die Region beinhalten drei versuchte Entführungen und zwei Schiffe, auf die geschossen wurde. Die Vorfälle am peruanischen Ankerplatz Callao haben sich von acht im Jahr 2020 auf 18 mehr als verdoppelt. Verbesserungen vor Somalia Produkten- Tanker 22 Containerschiffe 30 Bulker 47 © IMB / HANSA Während die unmittelbare Bedrohung durch somalische Piraten zurückgegangen zu sein scheint, ruft das IMB die Seeleute weiterhin zur Wachsamkeit auf, insbesondere bei Fahrten in der Nähe der somalischen Küste. Im Herbst gab es eine einschneidende Veränderung. Das sogenannte Hochrisikogebiet (HRA) wurde verkleinert, im Prinzip reduziert auf die jemenitischen und somalischen Hoheitsgewässer und die ausschließlichen Wirtschaftszonen im Osten und Süden des Indischen Ozeans. Die Definition der HRA ist unter anderem für Chartervereinbarungen und Versicherungsaspekte wichtig. Zu Hochzeiten der somalischen Piraterie nach der Jahrtausendwende erstreckte sich das Gebiet zum Teil bis weit in den Indischen Ozean sowie nach Süden und Norden aus. 30 HANSA – International Maritime Journal 02 | 2022

SCHIFFFAHRT | SHIPPING Das Meer und seine Bedeutung für das Schicksal Europas »Europe and the sea – a continuing story« BUCHTIPP Moderne Technologie und Demografie mögen es verschleiern, aber Europas Ursprünge liegen im Meer und sein zukünftiger Wohlstand hängt immer noch davon ab. »Europe and the Sea – a continuing story« zeigt auf, wie die Schlüsselstränge der Geografie, Geschichte und Wirtschaft miteinander verwoben sind, um – entgegen den Widrigkeiten von Konflikten und Wettbewerb – nicht nur unverhältnismäßigen Reichtum und unerwarteten kulturellen Zusammenhalt zu schaffen, sondern auch den Willen Europas, sich auszudehnen und die bekannte Welt über Jahrhunderte zu beherrschen. Fünf europäische Admirale aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien gehen über Marine- und Sicherheitsfragen hinaus und analysieren umfassend, warum der frühe Erfolg im Handel und in der Technologie zunehmend von einer neuen Epidemie bedroht wird – nicht von einer Krankheit, sondern von Seeblindheit. Indem wir die entscheidende Bedeutung des Meeres und die kollektive Abhängigkeit Europas davon vergessen, werden wir unwissentlich immer anfälliger, nicht nur für die lange bestehenden Bedrohungen der Meere durch Verschmutzung und Übernutzung der begrenzten Ressourcen, sondern auch für neue Bedrohungen aus dem Weltraum und dem Cyberspace. Auf der Grundlage ihres gründlichen Verständnisses vergangener und aktueller Trends werfen die Autoren einen Blick auf den zukünftigen maritimen Kontext, um zu zeigen, was auf die Europäer zukommt. Anthony Dymock | Lutz Feldt | Patrick Hebrard | Fernando del Pozo | Ferdinando Sanfelice di Monteforte Europe and the sea – a continuing story Mittler im Maximilian Verlag GmbH & Co. KG, Stadthausbrücke 4, 20355 Hamburg Hardcover mit Schutzumschlag – 26 x 24 cm – ca. 184 Seiten zahlr. Fotos und Abbildungen in S/W und Farbe ca. € (D) 29,95 I € (A) 30,70 I SFr* 35,90 ISBN 978–3–8132–1110–8 © Köhler Über die Autoren Die Autoren von »Europe and the Sea« sind in erster Linie Europäer und Seeleute. Als Admirale im Ruhestand, die es gewohnt sind, in und außerhalb ihrer Uniform zusammenzuarbeiten, verfügen sie über einzigartige Erfahrungen. Alle befehligten Schiffe und Geschwader, bevor sie in Hauptquartiere und politische Ämter wechselten. Drei von ihnen dienten in Washington und Brüssel in diplomatischen Funktionen; alle verfügen über umfassende Erfahrungen mit der NATO und der EU. Anthony Dymock kämpfte erfolgreich in nationalen und Bündniskampagnen des Vereinigten Königreichs auf See und an Land im Südatlantik, im Golf und im Mittelmeer. Lutz Feldt befehligte die deutsche Flotte und den Marinestab, wobei er sich besonders um die Ostsee und die Integration der Volksmarine kümmerte. Patrick Hebrard, ein renommierter Vertreter der französischen Marinefliegerei, verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Sicherheit in Ostasien. Fernando del Pozo, ein europäischer Historiker, war Kommandant der ständigen NATO-Streitkräfte zur See und an Land im iberischen Hauptquartier der NA- TO. Ferdinando Sanfelice di Monteforte führte erfolgreiche Operationen durch, die die NATO über den Verteidigungsbereich hinaus in den Bereich der maritimen Sicherheit führten, und ist ein versierter Stratege und Historiker geworden. Ein Jahrzehnt lang haben sie gemeinsam die maritime Sicherheit in Europa und anderswo untersucht, analysiert und darüber berichtet. Trotz unterschiedlichen nationalen Perspektiven verstehen diese fünf »Seadogs« den historischen maritimen Kontext Europas und sprechen hier mit einer Stimme über das Meer und seine Bedeutung für das Schicksal Europas. HANSA – International Maritime Journal 02 | 2022 31

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