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HANSA 02-2022

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FINANZIERUNG | FINANCING

FINANZIERUNG | FINANCING Düstere Stimmung auf den MV Werften Die Insolvenz der MV Werften – hier ein Archivbild vom dem Bau der »Global 1« – ist ein schwerer Schlag für die Industrie in Mecklenburg-Vorpommern © MV Werften Nach langem Kampf kann die Schiffbaugruppe MV Werften mit Standorten in Wismar, Warnemünde, Stralsund und Bremerhaven die Insolvenz nicht verhindern. Die Politik und der Eigner Genting streiten sich um Geld und Schuld, die Zukunft der Betriebe ist ungewiss Die Krise auf den MV Werften nimmt Mitte Januar eine dramatische Wende. Die Geschäftsführung stellt einen Insolvenzantrag und gibt der Politik die Schuld an der verschärften Situation, weil erhoffte und ursprünglich zugesagte Gelder zum Weiterbau des Kreuzfahrtschiffes »Global 1« ausgeblieben seien. Die Werftengruppe ist zahlungsunfähig, die Dezember-Löhne wurden nicht mehr gezahlt. Wenig später kann sich auch der Mutterkonzern Genting nicht mehr halten. Weil es keine Einigung mit Banken und Politik gibt, wird ein Gläubigerschutzverfahren eingeleitet. Genting hatte die Werften in Rostock, Wismar und Stralsund 2016 als Reaktion auf den damals boomenden Kreuzfahrt-Markt erworben, um dort für konzerneigene Reedereien Schiffe bauen zu lassen. Anfangs lief es gut, dann kam die Corona-Pandemie, die dem Kreuzfahrt-Markt den Boden unter den Füßen wegzog. Seit Monaten wurde hart aber letztlich ergebnislos über eine Zukunft der MV Werften einschließlich der ebenfalls zu Genting gehörenden Bremerhavener Lloyd Werft verhandelt. »Die Werften jetzt fallen zu lassen, wäre der größte ökonomische Fehler, den die Bundesregierung machen könnte«, sagte Genting-Chef Colin Au in Wismar. Sein Rufen bleibt erfolglos. Politische Kritik an Genting Die Bundesregierung und das Land Mecklenburg-Vorpommern forderten eine substanzielle Beteiligung von Genting an einem Rettungspaket, für das sie Mittel aus dem aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds und in Form von Landesbürgschaften beisteuern würden. Insgesamt wurden den Angaben zufolge sogar 600 Mio. € benötigt, um die zu 75 % fertiggestellte »Global 1« zu vollenden und die Werften zu erhalten. Lediglich 60 Mio. € sollte Genting selbst beisteuern. »Die Situation ist dramatisch«, kommentierte die Claudia Müller, neue maritime Koordinatorin des Bundes, die Lage. »Bund und Land haben ein gutes Angebot an Genting gemacht. Ist der Eigentümer nicht bereit, sich zu engagieren, sind der öffentlichen Hand diese gebunden.« Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde schließlich Christoph Morgen aus der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt, kein unbeschriebenes Blatt in der maritimen Welt. Unter anderem war der Sanierungsexperte Sachwalter der Flensburger Schiffbau- Gesellschaft FSG, der Senvion GmbH, Insolvenzverwalter der Schwergutreederei Hansa Heavy Lift und Chief Insolvency Officer der Reedereigruppe Rickmers Holding AG. Für die Lloyd Werft wurde Per Hendrik Heerma als Insolvenzverwalter eingesetzt. Er will die Werft künftig vor allem zurück ins Reparaturund Umbaugeschäft führen und den Standort langfristig sichern. Politischer Erfolg vor Gericht Zunächst will sich Morgen einen Überblick über die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Gruppe verschaffen. Zugleich gelte es, Politik, Betriebsräte und IG Metall sowie Genting als Auftraggeber für die Schiffe mit an den Tisch zu holen. Die »Global 1« soll fertiggestellt und ein Käufer gefunden werden. Kurz darauf verbuchte die Landesregierung in Schwerin einen juristischen Erfolg. Das Landgericht entschied, dass ein 78 Mio. € umfassendes Darlehen aus einem Kreditvertrag von 2021 nicht wie von Genting verlangt auszahlen muss. Es mangele an einer positiven Fortführungsperspektive, heißt es. Das Schicksal der Schiffe und der Schiffbaubetriebe ist ungewiss, bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war unklar, wie es konkret weitergeht. RD 16 HANSA – International Maritime Journal 02 | 2022

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