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HANSA 02-2021

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Kooperation HANSA & MRP · DNV GL · Hafen Hamburg · Port Hub · MPP-Marktbericht · 3D-Druck in der Schifffahrt · Interview IMO-Chef Lim · Maritime Future Summit · SMM Digital 2021

Schifffahrt | Shipping

Schifffahrt | Shipping ✕ Auch das Logo an der Fassade der Hamburger Unternehmenszentrale wird bald nur noch den Schriftzug DNV – ohne GL – tragen © DNV GL Ende einer Ära – DNV trennt sich von GL Der Germanische Lloyd, mehr als anderthalb Jahrhunderte eines der wichtigsten maritimen Unternehmen weltweit und ein Hamburger Traditionsname, ist bald nur noch ein Kapitel im Geschichtsbuch. Ab dem 1. März heißt es nur noch Det Norske Veritas, kurz DNV Die Spatzen pfiffen es immer mal wieder von den Dächern, jetzt passiert es. Im Laufe des Jahres soll der traditionsreiche Schriftzug »GL« als Zusatz im Unternehmensnamen DNV GL verschwinden. In einer Mitteilung begründet Remi Eriksen, CEO der norwegischen Klassifikationsgesellschaft, den Schritt mit einer »Vereinfachung und Stärkung unserer globalen Marke«. Der Name »DNV GL« sei kein Name, der den Kunden leicht von der Zunge gehe, erklärte Eriksen noch. Viele Akteure in der maritimen Welt hätten den Namen aus Bequemlichkeit ohnehin gern auf »DNV« verkürzt. »Die Namensvereinfachung ist daher eine logische Konsequenz der erfolgreich abgeschlossenen Fusion«, sagt Unternehmenschef Eriksen. Der bisherige Doppelname war durch den Zusammenschluss von DNV (Det Norske Veritas) und GL (Germanischer Lloyd) im Jahr 2013 entstanden. Der 1867 von 600 Reedern, Schiffbauern und Versicherern in Hamburg gegründete Germanische Lloyd war da gerade 146 Jahre alt geworden. DNV war bereits drei Jahre früher an den Start gegangen. Es entstand damals die weltgrößte Klassifikationsgesellschaft mit rund 17.000 Beschäftigten, 2,5 Mrd. € Umsatz und Vertretungen in rund 100 Ländern. Schluss nach 154 Jahren: Der Germanische Lloyd ist ab März endgültig Geschichte Die DNV Foundation übernahm 63,5 % der Anteile an der neuen Gesellschaft, die übrigen 36,5 % lagen zunächst noch bei der Mayfair-Holding der Tchibo-Erben Günter und Daniela Herz, die den GL im Jahr 2006 für 575 Mio. € gekauft hatten. Hauptsitz des neuen Unternehmens wurde Høvik nahe der norwegischen Hauptstadt Oslo. Die maritime Sparte, die rund 40 % des Konzernumsatzes ausmachte, behielt ihre Zentrale und zunächst rund 1.500 Mitarbeiter in der Hamburger Hafencity. Doch schnell wurde nach dem Zusammenschluss klar, dass es keine Fusion unter Gleichen war, wie anfangs behauptet wurde. Die Führungspositionen sind oder wurden vorzugsweise mit Norwegern besetzt. Und Ende 2017 verkauften die Herz-Geschwister schließlich ihre Anteile an die DNV-Stiftung. Das GL blieb vorerst Bestandteil des Namens, doch schon damals wurde spekuliert, wie lange eigentlich noch. In der seit der Lehman-Pleite andauernden Krise in Schifffahrt und Schiffbau musste auch der Schiffsklassifizierer deutliche Umsatzeinbußen auf etwa 2 Mrd. € (2018) hinnehmen und die Zahl der Arbeitsplätze, darunter auch in Hamburg, massiv auf insgesamt etwa 12.000 verringernKF 72 HANSA – International Maritime Journal 02 | 2021

Schifffahrt | Shipping Zur Person: Marcus Schärer 1997-2001: Sales Manager, Hanseatic Marine Services 2001–2008: Account Manager, Shell Marine 2008–2012: Sales Manager DACH, Shell Marine 2012–2015: Offer to Cash Manager, Shell Marine 2015–2016: Global Technical Manager, Shell Marine 2016–2020: Marketing & Business Development Manager, Shell Marine 2020–heute: Global Technical & Operations Manager, Shell Marine »Für mich ist die HANSA ein Spiegelbild der maritimen Welt« BEWERTUNG (1 bis 5 Sterne) AKTUALITÄT THEMENSPEKTRUM KOMPETENZ RELEVANZ LAYOUT/GESTALTUNG VERSTÄNDLICHKEIT GESAMTEINDRUCK Die HANSA im Blickpunkt »Zur Tiefe mehr Kontroverse« Seit 20 Jahren ist Marcus Schärer inzwischen bei Shell Marine, bei einem der weltweit größten Hersteller und Händler von Mineralöl, Kraft- und Schmierstoffen sowie einer der größten Charterer. Gelernt hat er mal Koch, sogar in einem 2-Sterne- Restaurant, bevor es ihn vor zwei Jahrzehnten in die maritime Wirtschaft verschlug. Seither, so erzählt er, begleitet ihn auch die HANSA. »Mal in einem Stapel lauter Fachzeitschriften auf dem Schreibtisch im Büro oder aber auf Reisen in der Tasche.« Wie ein Spaziergang über die SMM Schärer liest viel und gern, und er schätzt die Lektüre der HANSA. »Oft ist das Lesen wie ein Spaziergang über eine Messe wie die SMM.« Womit er das breitgefächerte Themenspektrum meint und lobt. »Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie riesig diese Industrie ist und wie sich die verschiedenen Themen ständig weiterentwickeln.« Er empfinde es als wichtig, seine »Welt der Schmierstoffe« zu verlassen und den Horizont zu erweitern – dabei gebe die HANSA eine gute Orientierung. Dafür nehme er sich dann auch Zeit, gern am Wochenende. Gleichzeitig räumt er ein, dass nur etwa 10–15% der Texte wirklich bis zu Ende liest, »das sind die Sachen, die mich auch in der Tiefe interessieren.« Online nutzt Schärer nach eigenen Angaben täglich vieleAngebote, um sich zu informieren. Das gehöre schließlich zu seinem Job. Aber immer dann, wenn die Zeit es hergibt, greift er nach eigenem Bekunden eben auch gern auf die hintergründigen Beiträge in einem Monatsmagazin wie der HANSA zurück. Themen, Aktualität, Kompetenz und Relevanz bekommen von ihm 4 oder sogar 5 Punkte, also Bestwertungen. »Für mich ist die HAN- SA ein Spiegelbild der maritimen Welt.« Er empfindet es durchaus als angenehm, Texte in der Muttersprache, also auf Deutsch, zu lesen. Das sieht er als eine Stärke der HANSA, die er als die führende Publikation im deutschsprachigen Raum ansieht. Gleichzeitig schränke dies die Verbreitung und Wahrnehmung in der international geprägten maritimen Welt natürlich ein. Inhalte anderer Publikationen könne man leichter mit Kollegen teilen. »Ich glaube aber, dass die HANSA als englischsprachige Zeitschrift gute Chancen am Markt hätte, sagt Schärer. Denn mit ihren qualitativ wertigen und fundiert recherchierten Beiträgen brauche sie sich nicht hinter anderen Publikationen zu verstecken. »Gerade im Heft finde ich immer wieder Informationen, die ich so woanders noch nicht gelesen habe.« Für die kommenden Jahre sieht er zwei Megatrends, auch für die HANSA – Dekarbonisierung und Digitalisierung. »Das sind die Themen, die nicht nur die gesamte Industrie bewegen werden, sondern mit denen sich die HANSA weiter profilieren könnte«, sagt Schärer. Es sind aus seiner Sicht auch die Handlungsfelder, die für die deutschen Unternehmen und im deutschen Markt insgesamt auf der Agenda stehen müssten. »Alle reden darüber, aber kaum einer weiß heute, wo die Reise wirklich hingeht.« Mit ihrem Knowhow und der technischen Expertise könnten, ja müssten sich die hiesigen Hersteller und Zulieferer positionieren, um ihre Marktanteile zu sichern oder zurückzuerobern. Megatrends als Chance Er verweist auf die Klimaziele zur CO2- Rediuzierung, denen sich auch sein Unternehmen, Shell, verschrieben habe und daher große Anstrengungen auf diesem Gebiet unternehme. »Doch in der Schifffahrt und somit auch im Schiffbau fragt sich jeder, mit welchem Kraftstoff, mit welcher Antriebslösung das gelingen kann«, meint Schärer. Auch das Potenzial der Digitalisierung aller Prozesse sei längst noch nicht ausgeschöpft. »Das geht schließlich weit über die Anschaffung moderner Office-Programme hinaus.« Es bestehe gerade in der Schifffahrt großer Nachholbedarf, in diesem Bereich »spielt jetzt aber auch die Musik.« Eine Fachzeitschrift wie die HANSA könne und sollte dabei Hilfestellung geben, die technischen Hintergründe ebenso wie die Zusammenhänge erklären und einordnen. »Das wird gebraucht«, sagt Schärer. Bei aller Wertschätzung für die sachlich-fundierte Berichterstattung wünscht er sich von der HANSA gerade bei diesen Zukunftsthemen nicht nur die gewohnte Tiefe, sondern auch mehr Kontroverse. »Nur Mut dazu«, sagt Schärer. n HANSA – International Maritime Journal 02 | 2021 73

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