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HANSA 01-2022

Outlook clouding as Omicron surges - Versicherer starten Weckruf gegen Container-Risiken - Ampel will den Fortschritt wagen - MEPC 77 enttäuscht auf ganzer Linie - MCN Cup 2021: Eine Ideenschmiede für Häfen und Schiffe

SCHIFFSTECHNIK | SHIP

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY Neun Nominierte, vier Preisträger: Beim erstmals ausgelobten MCN Cup wurden zahlreiche Innovationen für die maritime Wirtschaft vorgestellt © Silke Heyer / MCN Eine Ideenschmiede für Häfen und Schiffe Mit dem erstmalig ausgelobten »MCN Cup« hat das Maritime Cluster Norddeutschland vielversprechende Innovationsansätze in drei verschiedenen Kategorien vergeben. Mehr Nachhaltigkeit stand als beherrschendes Thema über allen Arbeiten. Von Krischan Förster Die siebenköpfige Fachjury hatte aus insgesamt 30 eingegangenen Bewerbungen zwölf Projekte in drei Kategorien für den Preis nominiert und kürte am Ende vier Gewinner. Die Unternehmen oder Konsortien wurden für ihren möglichen Beitrag zu dem anstehenden nachhaltigen Transformationsprozess in der maritimen Branche geehrt. »Ziel des Maritimen Clusters Norddeutschland ist die Stärkung der Innovationskraft und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der norddeutschen maritimen Akteure. Mit dem MCN Cup ist dieses Jahr ein weiterer, wichtiger Baustein hinzuge kommen«, so Knut Gerdes, Vorstand des MCN. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den Chancen und Potenzialen der Nachhaltigkeit entlang der maritimen Wertschöpfungsketten, also das konsequente Berücksichtigen von drei gleichermaßen bedeutsamen Ansprüchen: der Ökonomie, der Ökologie und den sozialen Aspekten. Noch bestehen sehr viele Unsicherheiten, mit welchen Maßnahmen, mit welchen Technologien, mit »Mit dem MCN Cup wollen wir innovative, nachhaltige Ideen und Projekte und ihre Erfinder stärker sichtbar machen« Jessica Wegener Geschäftsführerin MCN welchen Konzepten die maritime Industrie zu den ausgerufenen Klimazielen gelangen kann. Rund 75 % aller Gütertransporte im Im- und Export zwischen den EU-Staaten und dem Rest der Welt erfolgen auf dem Seeweg, im EU-Binnen - markt sind es 36 %. Dabei verursacht die Schifffahrt etwa 2,5 % der CO2-Emissionen – zuletzt (2020) jährlich rund 127 Mio. t. Die EU plant bereits weitere Vorgaben – Handeln tut also not. »Nachhaltigkeit bedeutet Gewinne bereits möglichst umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften. In diese Richtung möchten wir die maritime Branche weiter entwickeln und den notwendigen Transformationsprozess und Technologietransfer beschleunigen«, sagt Gerdes. Die 30 eingereichten Projekte verteilen sich je zu einem Drittel auf die besetzten drei Kategorien. Einhellig lobten Ausrichter und Jury die Qualität der Arbeiten. »Wir haben uns sehr über die exzellenten Einreichungen in allen Kategorien gefreut. Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen«, sagt Jury-Mitglied Matthias Wiese von Siemens Energy. Die HANSA zeigt hier die nominierten Projekte und Preisträger auf. Sie alle werden, beginnend mit dieser Ausgabe, in den kommenden Monaten noch einzeln näher vorgestellt. 28 HANSA – International Maritime Journal 01 | 2022

SCHIFFSTECHNIK | SHIP TECHNOLOGY Fachjury • Lucius Bunk, Auerbach Schifffahrt • Frank Nicolai, Moore BRL • Axel Hahn, OFFIS e.V. • Robert Howe, bremenports • Steffen Knodt, Fraunhofer Institut IGD • Heiko Landahl-Gette, Saab International Deutschland • Matthias Wiese, Siemens Energy Kategorie A Wie lassen sich Bestandsschiffe nachhaltiger betreiben? PREISTRÄGER Hasytec Electronics: DBP Die von der Firma Hasytec entwickelte Dynamic Biofilm Protection (DBP) ist eine Ultraschalltechnologie, die die Anhaftung von Einzellern auf flüssigkeitsführenden Oberflächen verhindert und somit dafür sorgt, dass ein Biofilm erst gar nicht entstehen kann. (siehe ausführlichen Bericht auf S. 30) NOMINIERTE Navisense: workboat.ai Navisense entwickelt mit workboat.ai eine Software-Lösung für Hafenschlepper, Lotsenboote und jegliche Arten von Schiffen im Hafen- und Küstenbetrieb. Die Anwendung soll es ermöglichen, über eine Effizienzsteigerung im Schiffsbetrieb Kraftstoff und damit Emissionen »ab der ersten Minute« einzusparen. Ein aufwändiges Umrüsten der Schiffsantriebe oder die Installation neuer Bordtechnik ist dafür nicht nötig. Auf Grundlage von AIS-Daten, Informationen zur Wetterlage, zu Gezeiten sowie mittels spezifischer Brennstoff-Kurven berechnen Algorithmen den Verbrauch des jeweiligen Schiffs in Echtzeit. Nach Beendigung des Einsatzes wird die Fahrweise evaluiert und bewertet. Reedereien sowie Crew-Mitgliedern können die Anwendung auf jedem Smartphone nutzen. DHI WASY: Vessel-Check Vessel-Check stellt Biosicherheits- Risikoanalysen von einzelnen Schiffsrümpfen und Häfen her und erhöht die Transparenz in der Kommunikation zwischen Schiffsbetreiber und Behörden über den Biofouling-Grad von Schiffen. © bremenports Ein Abonnement-basierter Zugang erfolgt über zwei interagierende Nutzerportale für Reeder und Behörden. Reeder laden Biofouling-Management-Pläne (BMP), Schiffsprotokolle, Anti-Fouling Zertifikate (AFC) sowie (Unterwasser-) Reinigungsberichte und Fotos in das System hoch. Diese werden mit den Echtzeit-AIS-Daten des Schiffes gekoppelt und mit historischen Daten verglichen. Anhand von Schiffsparametern und operative Indikatoren, die auf den Richtlinien der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) oder strengeren lokalen Richtlinien basieren, erfolgt die Biofouling-Risikobewertung. Die Behörde kann Schiffe markieren, bestimmte Aspekte des BMPs oder AFCs evaluieren und Berichte mit Kollegen teilen. Zudem kann eine Kopplung mit externen Datenzuflüssen erfolgen. Kategorie B Wie lassen sich Häfen und maritime Logistik nachhaltiger gestalten? 1. PREISTRÄGER bremenports (Konsortium): SHARC Zur Erarbeitung einer Lösung für die quartiersweite Integration erneuerbarer Energiequellen und -träger im Überseehafen Bremerhaven haben sich bremenports (Sondervermögen Hafen) zusam - men mit Siemens und dem Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen (IEKrW), das Deutsche Forschungsinstitut Künstliche Intelligenz (DFKI) und die TU Berlin für das Forschungsvorhaben »Smart Harbor Application Renewable Integration Concept« (SHARC) in einem Konsortium zusammengeschlossen. Exemplarisch wurde am Hafenstandort Bremerhaven die Integration und der nötige Zubau von erneuerbaren Energien dargestellt und ein Quartierskonzept samt Investitionsplan für den Bremerhavener Überseehafen Die SHARC-Projektsizze zeigt die Verknüpfung von Energieerzeugung und -verbrauch © Silke Heyer / MCN »Für die Erreichung der Pariser Klimaziele ist es unabdingbar für die Schifffahrt, die Treibhausgas-Emissionen drastisch zu senken« Dr. Steffen Knodt, Jurymitglied, Fraunhofer IGD entwickelt. Ziel ist es, einen CO2-neutralen Hafen vorzubereiten. Die Integra - tion erneuerbarer Energiequellen und -träger soll durch überbetriebliche Kooperationsansätze sowie durch eine Verknüpfung der bisher primär isoliert betrachteten Sektoren Elektrizität, Wärmeversorgung, Mobilität, Kälte etc. erreicht werden. In einen ganzheitlichen Ansatz werden neben betrieblichen Prozessen auch Aspekte des Energiemarktes und der Energietechnik berücksichtigt. 2. PREISTRÄGER N-Ports (Konsortium): dashPort Das auf drei Jahre angelegte und im Rahmen vom IHATEC-Programm der Bundesregierung geförderte Projekt »Port Energy Management Dashboard« (dashPORT) hat zum Ziel, Hafen- und Terminalbetreibern Kosteneinsparungen durch ein ganzheitliches Energiemanag - ement des Hafens und aller darin tätigen Anrainer zu ermöglichen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und IoT- Anwendungen sollen Effizienzgewinne realisiert werden, um den Energiebedarf von Häfen optimal abzustimmen – und damit deren ökologische und ökonomische Bilanz zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden »Smart Meter« in Brake installiert. Die gewonnenen Daten werden in einer digitalen Energieleitwarte mit Sekundärdaten zusammengeführt. Dort erstellt ein Algorithmus tagesaktuelle Prognosen der Lastverläufe und löst Handlungsempfehlungen aus, die den Betreibern helfen, Stromspitzen zu vermeiden und Energie HANSA – International Maritime Journal 01 | 2022 29

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