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HANSA 01-2022

Outlook clouding as Omicron surges - Versicherer starten Weckruf gegen Container-Risiken - Ampel will den Fortschritt wagen - MEPC 77 enttäuscht auf ganzer Linie - MCN Cup 2021: Eine Ideenschmiede für Häfen und Schiffe

SCHIFFFAHRT | SHIPPING

SCHIFFFAHRT | SHIPPING MEPC 77 enttäuscht auf ganzer Linie »Verpasste Chance«, »Kreislauf der Ambitionsbekundungen«, »unerklärliches Zögern« – die maritime Branche zeigt sich nach der jüngsten Sitzung des IMO-Ausschusses für den Schutz der Meeresumwelt (MEPC 77) schwer enttäuscht Sören Skou, CEO Maersk © Maersk Die Erwartungen an das MEPC- Treffen im Anschluss an den UN- Klimagipfel COP 26 in Glasgow waren hoch. Auch hier waren die Ergebnisse aus Sicht von Beobachtern letztlich enttäuschend. Weil aber aus dem Bereich Schifffahrt selbst viele Forderungen nach klaren und ambitionierten Klimazielen kamen, war im Vorfeld die Hoffnung auf echte Fortschritte beim Treffen der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO vorherrschend. Die Branche hatte insbesondere auf die Annahme ihres Vorschlags für einen Forschungs- und Entwicklungsfonds (IMRF) gehofft. Dabei wollen die Reedereien Abgaben auf Kraftstoff bezahlen, die dann über einen von der IMO verwalteten Fonds zielgerichtet für die Entwicklung neuer, kohlenstoffarmer und -freier Technologien verwendet werden. Das will die IMO zunächst weiter diskutieren. Auch ansonsten gab es im Bezug auf Treibhausgasemissionen noch keine Verschärfung von Regelungen. Beschlossen wurde vom MEPC 77 eine Überarbeitung der ursprünglichen Treibhausgasstrategie, die vom MEPC 80 im Jahr 2023 angenommen werden soll. Sören Skou, Chef von einem der größten Schifffahrtskonzerne Maersk, äußerte sich nach dem Ende des IMO-Gipfels enttäuscht. Der Schwung der COP26 sei nicht auf die entscheidende Sitzung der IMO übertragen worden. »Das ist eindeutig eine verpasste Gelegenheit, da viele Staaten derzeit zumindest ein Netto-Null- Ziel für 2050 unterstützen. Wir brauchen die IMO, um eine Chance auf die Dekarbonisierung der Schifffahrt zu haben, und wir brauchen jetzt Fortschritte. Es ist an der Zeit, dass ehrgeizige Staaten energischer und direkter vorgehen. Die weltweite Schifffahrtsgemeinschaft – Verlader, Investoren, Banker, Reeder, Behörden und viele mehr – ist sich einig in der Forderung nach einer Regulierung«, sagte Skou. Als Lösung fordert der Maersk-CEO ein Maßnahmenpaket, bestehend aus einem globalen Kraftstoffstandard und einem Enddatum für den Bau von Schiffenmit fossilen Kraftstoff-Antrieb. Auch ein globaler Fonds und ein Treibhausgaspreis gehören für Skou dazu, ebenso wie die auf der COP 26 vereinbarten »green corridors«, Schifffahrtsrouten, auf denen durch die Entsprechende Hafeninfrastruktur der Einsatz emissionsfreier Schiffe möglich sein soll. Als letzten Punkt nennt er die Verbesserung und Transparenz des Datenerfassungssystems der IMO. Maersk hofft auf Fortschritte bis zur nächsten IMO-Tagung im Juni 2022. Als hätte COP 26 nie stattgefunden Guy Platten, Generalsekretär ICS © ICS Am schärfsten kommentierte den Outcome des einwöchigen Gipfels der Generalsekretär der International Chamber of Shipping (ICS), Guy Platten: »Wir sind enttäuscht, dass den Worten und Verpflichtungen, die die Regierungen auf der COP26 gemacht haben, noch keine Taten gefolgt sind.« Bei den Treffen sei die Gelegenheit verpasst worden, eine Reihe von Maßnahmen zur Treibhausgasreduzierung voranzutreiben, die die Entwicklung emissionsfreier Schiffe beschleunigen würden, die für die Dekarbonisierung des Sektors in großem Maßstab dringend erforderlich seien. »Es ist fast so, als hätte die COP 26 nie stattgefunden.« Die Regierungen dürften Entscheidungen nicht weiter auf die lange Bank schieben, mit jeder Verzögerung rücke das Klimaziel weiter in die Ferne. »Wir werden weiterhin mit den Regierungen zusammenarbeiten, um die von der Industrie vorgeschlagenen Maßnahmen zu verabschieden, einschließlich des 5-Milliarden-Dollar-Fonds für Forschung und Entwicklung als unmittelbarem Schritt, gefolgt von einem abgabenbasierten Kohlenstoffpreis für die Schifffahrt«, so der Vertreter des Reedereiverbands. Die Verabschiedung dieser beiden Maßnahmen ist aus Sicht der Reedereien der einzige Weg, um das Ziel von Netto- Null-Emissionen aus der Schifffahrt bis 2050 zu erreichen und gleichzeitig einen gerechten Übergang zu gewährleisten. »Die Botschaft der Industrie auf der COP26 war eindeutig: Die Zeit läuft uns davon, und wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um den Kohlenstoffausstoß jetzt zu reduzieren. Wir werden die IMO weiterhin zum Handeln drängen, denn die Bedeutung der Bekämpfung des Klimawandels ist zu groß, um aufzugeben«, sagt Platten. Viele Länder hätten erkannt, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung dringend erhöht werden müssten. Es habe während MEPC 77 nicht genügend Zeit zur Verfügung gestanden, um den IMO-Mitgliedstaaten eine Entscheidung über den 5-Milliarden-Dollar- Fonds zu ermöglichen. »Alles, worum wir bitten, ist, dass die Regierungen der Wirtschaft die Möglich- 20 HANSA – International Maritime Journal 01 | 2022

SCHIFFFAHRT | SHIPPING keit geben, die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Wir bitten nicht einmal um Geld oder Subventionen, wie sie andere Sektoren erhalten. Dies ist eine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der wir keine Zeit für Ausflüchte haben«, so Platten. Handel ohne Klimaeffekt nötig John Butler, Präsident und CEO des World Shipping Council (WSC) erklärte, nach der positiven Grundstimmung der Branche nach COP 26 sei es umso enttäuschender, dass dieselben Regierungen, die noch wenige Tage zuvor hochtrabende Erklärungen abgegeben hätten, nun im Rahmen der IMO keine konkreten Taten folgen ließen. »Das Ziel für die Linienschifffahrt ist klar: so schnell wie möglich weg von fossilen Brennstoffen. Die Menschen auf der Welt sind auf den Handel angewiesen, und wir müssen einen effizienten Handel ohne die heutigen Klimaauswirkungen ermöglichen – je früher, desto besser. Das ist ein moralischer Imperativ, der uns sehr am Herzen liegt, ebenso wie das, was unsere Kunden und Investoren verlangen«, so Butler. John Butler Präsident WSC © WSC Die Schifffahrt gilt als schwer zu dekarbonisierender Sektor, zur Entwicklung der nötigen Technologien und Kraftstoffe braucht die Branche ein möglichst klares Bild was Nachfrage, Verfügbarkeit und Infrastruktur für alternative Kraftstoffe angeht. »Deshalb ist das unerklärliche Zögern der IMO-Mitgliedstaaten so gefährlich. Wir können über die Ziele für 2050 reden, so viel wir wollen, aber solange wir keine Initiativen ergreifen, um echte Fortschritte Abstract: MEPC 77 meeting ends on a sour note »Missed opportunity«, »cycle of statements of ambition«, »inexplicable hesitation« – the shipping industry expresses serious disappointment after the end of the meeting of the IMO Marine Environment Protection Committee (MEPC 77). Taking place shortly after the UN climate summit COP 26, hopes where high for IMO to make serious progress on green house gas regulations and to decide on the proposal of an industryfinanced R&D fund. Instead, the council adjourned the imperative decision on stricter climate targets to the meeting in 2023. zu erzielen, werden wir das Ziel nicht erreichen«, sagt Butler. Die Erforschung alternativer Kraftstoffe und die Investitionen in neue Technologien durch die Schifffahrtsunternehmen würden nicht ausreichen, um die gesamte Branche zu verändern. Butler sieht die Gefahr, dass einige Länder, Sektoren und Unternehmen zurückbleiben. »Eine globale Branche ist auf globale Infrastrukturen und globale marktbasierte Maßnahmen angewiesen, um den Wandel voranzutreiben«, sagte er. »Wir appellieren an die politischen Entscheidungsträger und die Regulierungsbehörden, nicht in einem Kreislauf der Ambitionsbekundungen stecken zu bleiben, sondern Maßnahmen für einen umfassenden Wandel in der Schifffahrtsindustrie zu ergreifen. Wir sind zwar enttäuscht, dass es keine Entscheidung gab, aber auf der MEPC 77-Sitzung gab es einen bemerkenswerten Anstieg der Zahl der Länder, die die Einrichtung eines von der Industrie finanzierten Forschungsfonds unterstützen, der 5 Mrd. $ in Forschung und Entwicklung für THG-freie Technologien investiert, die allen Ländern zur Verfügung stehen werden. Die Initiative ist startklar, wird vom Green Climate Fund unterstützt und wir werden die Mitgliedsstaaten weiterhin dabei unterstützen, eine positive Lösung auf der MEPC 78 zu finden«, so John Butler weiter. IMO-Führung steht auf dem Spiel Auch der globale Großmotorenindustrieverband CIMAC hatte sich mehr vom IMO-Treffen erwartet. Stattdessen seien die Erwatungen »erneut nicht erfüllt« worden, heißt es. Wichtige Schritte für den maritimen Sektor zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen seien erneut vertagt worden. »Die IMO als die für die Regulierung der Schifffahrt zuständige Organisation © VDMA Peter Müller-Baum, Generalsekretär CIMAC muss einen ehrgeizigeren und vor allem schnelleren und klar definierten Fahrplan bis 2050 vorlegen, um die Emissionen der maritimen Industrie zu reduzieren und schließlich vollständig zu dekarbonisieren«, so der Verband. CIMAC hatte bereits auf dem MEPC 75 auf konkretere Schritte gehofft und nicht auf eine Vertagung der Entscheidung über weitere Schritte. Dirk Bergmann, Vorsitzender der CI- MAC-Gruppe für Treibhausgasstrategie, erklärte: »Nichtsdestotrotz wurden überarbeitete Richtlinien für Abgasreinigungssysteme und eine Resolution verabschiedet, die auf die Verwendung von Destillaten und anderen saubereren Kraftstoffen und Technologien zur Reduzierung der Schwarzkohleemissionen in der Arktis drängt«. Das langfristige Ziel sei zwar klar, aber ohne den richtigen Rahmen durch die zuständige Behörde würden wichtige Investitionen überdacht, aufgeschoben oder sogar gestrichen, sagt Peter Müller- Baum, Generalsekretär der CIMAC, der glaubt, dass die Entschlossenheit zur Veränderung vorhanden ist, das Tempo aber erhöht werden muss. »Wenn die IMO ihren derzeitigen Kurs beibehält und klare Maßnahmen zu den Treibhausgasemissionen aufschiebt, könnten andere Akteure die Führung übernehmen«. fs HANSA – International Maritime Journal 01 | 2022 21

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