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HANSA 01-2020

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Finanzierung | Financing

Finanzierung | Financing PAULO ALMEIDA – TUFTON OCEANIC »Umweltbewusstsein der Investoren nicht unterschätzen« Paulo Almeida vom britischen Investor Tufton Oceanic nannte die jüngere Vergangenheit eine »gute Zeit zu investieren«. Tufton war zuletzt im deutschen S&P-Markt sehr aktiv, hat unter anderem Containerschiffe gekauft. Über den hauseigenen, an der Börse gelisteten Flottenfonds Tufton Oceanic Assets sei es durchaus möglich, weiter opportunistisch zu kaufen, wenn vorher Schiffe veräußert würden – weil die Orderbücher relativ klein seien und Modernisierungsbedarf bestehe. Enorme Bedeutung hätten IMO 2020 und folgende Regulierungen: »Es ist sehr gefährlich, die Bedeutung der Umwelt für Investoren zu unterschätzen«, so Almeida. NICOLAS BLANCHARD – HCOB »Haben uns internationalisiert« Für die Hamburg Commercial Bank, ehemals HSH Nordbank, berichtete CCO Nicolas Blanchard, dass die Bank nach einem enormen Rückbau des Schifffahrtsportfolios 2019 rund 1,3 bis 1,4 Mrd. € Neugeschäft in der Schifffahrt machen dürfte, ganz überwiegend im Secondhand-Markt – geplant waren 1 Mrd. €. Rund ein Drittel betreffe den deutschen Markt, »wir haben uns internationaler aufgestellt.« Angesichts der erwarteten Unsicherheit bezüglich »IMO 2020« und der noch immer nicht abgeschlossenen Transformation der ehemals öffentlich-rechtlichen Bank in eine Geschäftsbank fahre man gut damit, für 2020 das Ziel nicht höher anzusetzen. Die neue Regulierung ist seiner Ansicht nach auch für die Banken wichtig: »Die Europäische Zentralbank hat die Umwelt zu einem neuen Hauptthema für die Bankenregulierung gemacht«, so der CCO. TANG WENWEN – ICBC LEASING »Bau in China ist keine Voraussetzung« Über die zunehmende Regulierung, die daraus folgenden finanziellen nd strukturellen Herausforderungen für Banken speziell in Europa sprachen mehrere Referenten – prominente Stichworte sind »Basel 4«, »IFRS« und »Non performing loan regulation«. Zu den mittlerweile etablierten alternativen Finanzierungspartnern gehören chinesische Leasing-Häuser. Auf dem HANSA-Forum betonte Shipping-Managerin Tang Wenwen von ICBC Leasing, dass ihr Unternehmen immer mehr Aufmerksamkeit Schiffen mit neuen Technologien schenke. »Hochwertige Assets und umweltfreundliche Schiffe spielen in unserer Strategie eine wichtige Rolle.« Um das eigene Portfolio »gesund« zu halten, sei ICBC auch im Handel mit gebrauchten Schiffen aktiv. Der deutsche Markt ist für das Leasing-Haus nach wie vor interessant, »die Hamburg-Niederlassung erleichtert den Kontakt«, so die Managerin. Sie verneinte allerdings eine weitverbreitete Ansicht: »Neubauten müssen nicht zwangsläufig von chinesischen Werften kommen, um mit uns zusammenarbeiten zu können.« JOEP GORGELS – ABN AMRO »Große Akteure stärker im Blick« Joep Gorgels, Global Head Transportation & Logistics bei der niederländischen Bank ABN Amro, bestätigte, dass neben 2020 auch das IMO-Ziel einer 50-prozentigen Dekarbonisierung bis 2050 sowie die »Poseidon Principles« sehr weit oben auf der Agenda stünden. Die eigenen Bücher würden daraufhin überprüft. »Das wird Konsequenzen für unser Portfolio haben, aber nicht vor Ende des Jahres«, so Gorgels. ABN Amro will das Shipping-Portfolio von 10 Mrd $ auf ähnlichem Niveau halten. Trotz den nötigen Anpassungen will man der Schifffahrt nicht den Rücken kehren. Die Bank arbeitet an »grünen« Anleihen und einem ersten ESG-Kredit (»Evironmental, Social and Coporate Governance«). Gorgels kündigte zudem einen genauen Blick auf eine Risiko-Reduzierung an: »Wir werden verstärkt größere Unternehmen und Plattformen in den Blick nehmen.« © Stelling/Wägener 18 HANSA International Maritime Journal 01 | 2020

Finanzierung | Financing FRITHIOF WILHELMSEN – MACQUARIE »Wir haben Appetit« Frithiof Wilhelmsen, Vice President Ship Finance bei der in Australien beheimateten Macquarie Group, bezeichnete den Rückzug der traditionellen Schiffsbanken als Chance. Macquarie tritt weniger als Investor für große Unternehmen als für kleine und mittelgroße Reeder auf, die bei traditionellen Banken heute weniger Chancen haben. Seit 2017 ist das Unternehmen, zuvor bereits im Terminal-Geschäft engagiert, verstärkt auch in der Schifffahrt aktiv, schwerpunktmäßig in den Hauptmärkten Container, Tanker, und Bulker. Das Portfolio umfasst rund 500 Mio.$, mittelfristig streben die Australier bis zu 3 Mrd. $ an, »die Bank hat Appetit«. Dabei gibt es klare Vorgaben: »Wir wollen, dass unsere Kunden mit den neuen und kommenden Umweltstandards konform sind. Wir wollen nicht auf Risiken für unsere Reputation sitzen bleiben.« NIKOLAUS REUS – MARVEST »So einfach wie E-Commerce« Deutlich wurde beim HANSA-Forum, dass es einen härteren Wettbewerb um gute Projekte zwischen den verschiedenen Finanzierungsakteuren gibt. Gefragt sind Zugang zu Kapital und Flexibilität. Auf die Chancen der Digitalisierung setzen die beiden deutschen Start-ups Marvest und Oceanis. Marvest-Gründer und CEO Nikolaus Reus setzt auf Crowd-Investing, bei dem Interessenten auch mit kleinen »Tickets« partizipieren können. »Wir wollen das Investment so einfach wie E- Commerce machen«, so Reus, der auf den Mehrwert einer großen Transparenz hinwies. Die Branche ist seiner Ansicht nach »unterinvestiert«. Drei Projekte konnte Marvest bereits realisieren. ACHIM FISCHER-ERDSIEK – NW ASSEKURANZMAKLER »Bringen lose Enden zusammen« Dass die »neue Zeit« in der Schifffahrt auch Risiken birgt, machte Achim Fischer-Erdsiek, Geschäftsführer bei NW Assekuranzmakler ProRisk der in Bremen ansässigen Lampe & Schwartze Group, deutlich. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung will die Gruppe mit einem speziellen Angebot das Thema Cyber Security angehen. Die Sicherheit sei ein wichtiger Aspekt für die Finanzierung. »Der maritime Sektor ist komplex und Daten-getrieben, wir bringen die losen Enden zusammen«, so Fischer-Erdsiek MAXIMILIAN OTTO – OCEANIS »Gott sei Dank haben wir die Technologie« Maximilian Otto betonte als Gründer und CEO von Oceanis den Bedarf an Transparenz für Investoren und Unterstützung vor allem für kleine und mittelgroße Reeder, die unter dem Rückzug der Banken besonders gelitten hätten. »Die Banken ziehen sich zurück, Verlierer sind die kleineren Unternehmen. Gott sei Dank haben wir die moderne Technologie, sie reduziert die Komplexität und erhöht die Effektivität«, so Otto. Mit der Plattform will man potenziellen Investoren eine Übersicht transparenter und geprüfter Daten ermöglichen. HANSA International Maritime Journal 01 | 2020 PHILIPPA FISCHER-ZERNIN – TRADELENS »Blockchain ist nicht die Zukunft« Auf eine Plattform-Lösung setzt auch TradeLens, eine Kooperation der dänische Gruppe A.P. Møller-Maersk mit dem Tech-Großakteur IBM. Europachefin Philippa Fischer-Zernin erläuterte, wie die Blockchain-Technologie den koordinativen Aufwand im globalen Containerverkehr deutlich verschlanken kann. Mittlerweile sind 17 Linienreedereien mit an Bord. »Blockchain ist nicht die Zukunft, sondern Realität«, sagte Fischer-Zernin. Dokumentation, Container-Tracking und die Arbeitsabläufe in der Supply Chain ließen sich so deutlich effizienter aufstellen. 19

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