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HANSA 01-2018

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Offshore Meerestechnik

Offshore Meerestechnik bekommt Testumgebung Unzureichende Test- und Erprobungsmöglichkeiten verzögern wichtige Innovationen im boomenden Sektor der Unterwassertechnik. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum Ocean Technology Center (OTC) in Rostock soll diese Lücke schließen Unterwassertechnologie hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Maritime Technologien sollen in der Zukunft die Versorgung der Menschheit sichern: Energie, Rohstoffe, Nahrungs- und Arzneistoffe können aus dem Meer bzw. vom Meeresboden gewonnen werden. Um nachhaltig und umweltgerecht zu agieren, ist die Entwicklung und Verfügbarkeit neuer fortschrittlicher Schlüsseltechnologien in der Meerestechnik von entscheidender Bedeutung. Ob effizienter Betrieb von Offshore-Windkraft, der Abbau mariner mineralischer Rohstoffe, marine Aquakultur oder Kampfmittelräumung im Meer – die wachsende Nachfrage nach technischen Produkten und professionellen Dienstleistungen der Unterwassertechnik resultiert in einem weltweit wachsenden Markt für Meerestechnik. Auch für deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen besteht in den technologieintensiven Anwendungsfeldern der maritimen Wirtschaft ein hohes Wachstumspotential. Insbesondere maritime Mess-, Überwachungs-, Umwelt- und Unterwassertechnik sind Sektoren der maritimen Wirtschaft mit attraktiven Wachstumsperspektiven. Die äußerst rauen Umgebungsbedingungen auf und unter Wasser stellen höchste Anforderungen an die Zuverlässigkeit des zu nutzenden Equipments. Eine unzureichende Test- und Erprobungsinfrastruktur verzögert wichtige Innovationen. Für Entwickler neuer Unterwassertechnik gibt es keine allgemein nutzbaren Testareale, die Tests in einer laborähnlichen Umgebung zulassen. In ganz Europa haben Entwickler und Anwender neuer Unterwassertechnik das Problem, dass es keine allgemein nutzbaren Testareale gibt, die wesentliche Anwendungsfälle realistisch abbilden und in einer laborähnlichen Umgebung optimale Testbedingungen bereitstellen. Diese Lücke soll durch das Ocean Technology Center (OTC) in Rostock geschlossen werden. Das OTC soll aus zwei Bereichen bestehen: Der Landstation mit Halle, Laboren, Werkstätten und Testbecken und dem küstennahen Testfeld mit idealen Wassertiefen, um verschiedenste Erprobungen an Komponenten und vollständigen Systemen vorzunehmen. Das OTC Rostock konkretisiert damit erste Ideen und Konzepte, die das Subsea Monitoring Network über mehrere Jahre entwickelt hat. Den Anfang bildete eine Standortanalyse, bei der sich Rostock gegen andere Standorte der deutschen Küste durchgesetzt hatte. Für die landseitige Infrastruktur ist ein Neubau direkt an der Kaikante des Rostocker Fischereihafens (RFH) vorgesehen. Dort können erste Experimente auch direkt im Hafenbecken durchgeführt werden. Zusätzlich zu der guten logistischen Anbindung ist auch die Nähe zu wichtigen, im RFH bereits angesiedelten Akteuren von Vorteil. Die vorhandenen Gegebenheiten ermöglichen einen bedarfsgerechten stufenweisen Auf- und 60 HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 1

Offshore Quelle: Fraunhofer IGD/ Subsea Monitoring Network In Rostock herrschen Idealbedingungen durch Synergien mit dem künstlichen Riff, gute geologische Voraus setzungen und die kurze Entfernung zum Hafen Ausbau. In diesem Brückenkopf sollen die Missionen im Testfeld technisch und logistisch vorbereitet, die Aktivitäten im Testfeld koordiniert und überwacht werden. Hier laufen alle Daten aus dem Testfeld auf. Die Speicherung, Analyse und Visualisierung von Daten aus den Unterwassertests werden mit zum Leistungspaket gehören. Das Unterwassertestfeld ist im Seegebiet in Nachbarschaft zum künstlichen Riff in Nienhagen geplant. Rund 5sm westlich der Warnowmündung soll unweit der Küste ein 1.500 x 2.000 m großes Areal ausgewiesen werden, in dem Forschungseinrichtungen und Unternehmen neue Messtechnik und Sensorik sowie komplette Unterwasser-Fahrzeuge, wie z.B. ROV oder AUV, testen und kalibrieren können. Das Unterwasser-Areal ist durch seine Lage und Geologie in hohem Maße geeignet. Die Wasserschichtung ist optimal für den Test von Unterwassersensorik und akustischer Kommunikation. Die Wassertiefe von ca. 15 m und die Ebenheit des Seegrundes bieten ideale Forschungsbedingungen, die den Einsatz verschiedenartiger Fahrzeuge und Geräte, wie z.B. Schiffe mit geschleppten Unterwassersystemen, Work-Class-ROV, Sub-Sea-Crawler, Cable-Trencher etc. ermöglichen. In dem Testfeld sollen einzelne Areale entstehen, in denen jeweils typische Anwendungsfälle wie etwa Munition im Meer, Seekabel, Pipeline, Findlinge und Offshore-Wind-Gründungsstrukturen realistisch umgesetzt werden. So kann ein möglichst vielfältiges Test- und Erprobungsspektrum angeboten werden. Zudem soll – da GPS unter Wasser nicht funktioniert – dauerhaft ein lokales Positionierungssystem auf Basis von Schallwellen installiert werden. Auch eine Stromversorgung und Datenanbindung wird vor Ort zur Verfügung gestellt. Eine Machbarkeitsstudie für das Ocean Technology Center (OTC), in Auftrag gegeben von der Hansestadt Rostock und gefördert vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern, wurde im Oktober 2017 fertiggestellt. Untersucht wurde unter anderem die Beschaffenheit des Meeresgrundes im »Seegebiet Künstliches Riff Nienhagen«. Parallel dazu erfolgte eine Befragung von Wissenschaftlern und Unternehmen zu den Marktperspektiven, Forschungsansätzen sowie den Bedarfen an notwendigen land- und seeseitigen Infrastrukturen. Dazu wurden ca. 370 Unternehmen und Institutionen angeschrieben. Ergebnis der Studie: Idealbedingungen durch die Synergien zum bestehenden künstlichen Riff, gute geologische Voraussetzungen, ausreichende Tiefe für die meisten Anwendungsfälle, geringe Risiken bei den erforderlichen Genehmigungen und die kurze Entfernung zum Hafen, welcher Institute und logistische Unterstützung bereithält, machen Rostock zum perfekten Standort. Autor: Uwe Freiherr von Lukas Abteilungsleiter Maritime Graphics, Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, Vorstandsmitglied Subsea Monitoring e.V. uwe.von.lukas@igd-r.fraunhofer.de HANSA International Maritime Journal – 155. Jahrgang – 2018 – Nr. 1 61

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